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23.10.2007 
Umwelttechnik

Energiesparen beschert gute Geschäfte

von W. Gillmann

Die Umwelttechnik gilt als eine der Technologien der Zukunft. Die Experten der Unternehmensberatung Roland Berger erwarten, dass die Branche in rund zehn Jahren die Autoindustrie und den Maschinenbau an Bedeutung überflügeln wird - und die deutschen Anlagenbauer sind auf den wichtigen Feldern bestens positioniert

Vom Ökotrend können auch Maschinenbauer profitieren, wie hier in der Produktion von Windrädern. Foto: dpaLupe

Vom Ökotrend können auch Maschinenbauer profitieren, wie hier in der Produktion von Windrädern. Foto: dpa

DÜSSELDORF. Der Anteil der Umwelttechnik am gesamten Industrieumsatz in Deutschland dürfte nach einer Berger-Studie von jetzt vier auf 16 Prozent bis 2030 steigen. Auch Umweltminister Sigmar Gabriel sieht deutsche Unternehmen in einer hervorragenden Position - mit Recht: Sie sind in allen Segmenten des Marktes stark vertreten und halten in wichtigen Umweltbereichen Weltmarktanteile zwischen fünf und 30 Prozent. Auch als Forschungsstandort bescheinigt die Berger-Studie Deutschland einen Spitzenplatz.

Die deutsche Industrie besitzt nicht nur in der Stromerzeugung aus Wind und Strom eine starke Stellung, vor allem als Zulieferer und in der allgemeinen Industrie stehen die Unternehmen mit ihren Produkten zur Senkung des Energieverbrauchs und des Ausstoßes schädlicher Umweltgase in der Welt weit vorn.

Thorsten Herdan, Energiepolitischer Sprecher des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), rechnet für die nächsten Jahre mit einer Sonderkonjunktur durch Ökostrom und Technik, die beim Energiesparen hilft. „Alle Branchen des Maschinenbaus profitieren von der Umwelttechnik, die Zulieferer am meisten“, sagt Herdan. Das Gesetz zur Steigerung der Energieeffizienz werde für massive Investitionen in neue Maschinen sorgen.

Dabei ist Energiesparen für den Maschinenbau kein neues Thema. Gerade Hersteller energieintensiver Produkte wie zum Beispiel Industrieöfen haben schon immer darauf geachtet, den Verbrauch ihrer Produkte zu senken. Aber im Zuge der neuerwachten Umweltdiskussion stehen Klimaschutz und CO2-Problematik jetzt viel stärker in der Diskussion. Auch Getriebehersteller profitieren: Deren Erzeugnisse werden nun nicht mehr nur in Maschinen und Autos gebraucht, sondern auch in der Windkraft-Industrie. Durch den Boom der Windkraft haben Hersteller dieser Aggregate zusätzliche Aufträge erhalten und sind sehr gut ausgelastet.

Nicht nur die Autoindustrie hat erkannt, dass sich Umweltthemen gut vermarkten lassen. Auch Industriekonzerne wie General Electric oder Bosch stellen ihre Umweltaktivitäten in den Vordergrund und deklarieren sich als grüner Konzern. „Eigentlich ist Bosch ein Energiewandlungsunternehmen“, erklärte etwa Bosch-Chef Franz Fehrenbach kürzlich. Die regenerativen Energien bringen dem Konzern bereits einen Umsatz von gut 500 Mill. Euro: Bosch Rexroth baut Getriebe für Windkrafträder, Bosch Thermotechnik verkauft Wärmepumpen und Solartechnik in der Heizungssparte.

Nicht nur Bosch – die Heizungsindustrie erhofft sich wegen des wachsenden Umweltbewusstseins der Verbraucher und der steigenden Energiepreise ein gutes Geschäft. Denn in Deutschland entfällt rund ein Drittel des Bedarfs an Primärenergie auf die Heizung und die Bereitung von Warmwasser. Deshalb können die Hersteller von Wärmepumpen mit der Fertigung kaum nachkommen, obwohl zum Beispiel Marktführer Stiebel Eltron gerade ein neues Werk am Stammsitz Holzminden eingeweiht hat.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Kaum Umtausch alter Heizkörper

Dagegen wurden die Hoffnungen der Branche auf den Umtausch der oft veralteten Heizungsanlagen in moderne Brennwerttechnik bisher schwer enttäuscht. Hier hat das Argument der Energieeinsparung die Verbraucher nicht überzeugt, der Heizungsmarkt läuft weiter sehr schleppend.

Auch in der Industrie selbst lässt sich noch viel Energie sparen. Otmar Frey, Umweltexperte des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI), sieht ein großes Potenzial vor allem bei elektrischen Antrieben. Zwei Drittel des Stromverbrauchs der Industrie entfallen nach Angaben des ZVEI auf elektrisch angetriebene Systeme wie Pumpen, Ventilatoren, Kompressoren oder Zentrifugen.

Mehr als 15 Prozent dieses Stroms könnten durch energieeffizientere Antriebe eingespart werden, betont Frey. So könne beispielsweise der Einsatz von Energiesparmotoren den Stromverbrauch senken. Aber auch die Nutzung von Antrieben mit elektronischer Drehzahlregelung helfe beim Sparen.

Noch achtet die Industrie in ihren Fabriken zu wenig auf dieses Thema. „Oft steht bei Investitionen der Preis im Vordergrund“, klagt Energieexperte Frey. Es würden meist nur kaputte Geräte ersetzt, obwohl sich die Investition in neue Motoren, Lüfter oder Lampen schnell über die Energieeinsparung amortisiere. Besonders häufig ist dies nach Beobachtung von Frey der Fall, wenn der Investor einer Anlage oder Fabrik nicht der spätere Betreiber sei. Der Einkäufer ist in der Regel nicht für die Kosten der Anlage über die gesamte Laufzeit zuständig. Dabei beträgt bei elektrischen Antrieben der Anteil der Energiekosten über die gesamte Laufzeit gerechnet oft mehr als 90 Prozent.

Trotzdem erwartet Frey von energieeffizienten Produkten nicht nur Verkaufserfolge, sondern auch bis zu fünf Prozent zusätzliche Stellen. „Diese Produkte sind anspruchsvoller in der Entwicklung und Fertigung. Und sie ersetzen oft weniger aufwendige Produkte, die aus dem Ausland kommen.

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