Der Energiekonzern Eon
und der dänische Versorger Dong Energy treiben ein riesiges Windkraftprojekt vor der britischen Küste im Alleingang voran. Nach dem Ausstieg des Ölkonzerns Royal Dutch Shell
übernehmen beiden Unternehmen dessen Anteil an dem in der Themse-Mündung geplanten Feld und halten nun je 50 Prozent.
Die Zukunft der Windkraft liegt auf dem Meer: In der Themsemündung soll das weltgrößte Windkraftprojekt auf See entstehen. Foto: dpa
HB DÜSSELDORF. Hohe Windgeschwindigkeiten und eine geringe Wassertiefe böten sehr gute Voraussetzungen für die Anlage, teilte Eon
am Montag mit. Den Betreibern zufolge ist "London Array" mit einer geplanten Leistung von bis zu 1 000 Megawatt das weltweit größte Windkraftprojekt auf See.
Shell
hatte im Mai überraschend seinen Rückzug angekündigt und will sich bei der Windkraft verstärkt auf die USA konzentrieren. Der Ausstieg war bei der Regierung in London und Umweltschützern auf Kritik gestoßen. Sie hatten befürchtet, dass das für die Umsetzung der britischen Klimaschutzziele wichtige Vorhaben gefährdet werde. Die stark gestiegenen Stahlpreise und Engpässe bei den Lieferanten von Windturbinen bereiten den Planern von Windkraftprojekten derzeit Kopfzerbrechen. Die Kosten für "London Array" waren ursprünglich auf 1,5 Mrd. britische Pfund (rund 1,9 Mrd. Euro) beziffert worden. In Branchenkreisen werden die Kosten inzwischen auf 2,5 Mrd. Pfund geschätzt.
Ein Preis für den Shell
-Anteil nannten die Unternehmen am Montag nicht. 15 Kilometer vor der Küste sollen sich mehr als 270 Windturbinen drehen. Ein Großteil der Windräder soll bis 2012 installiert sein. Um einen reibungslosen Übergang zu garantieren, werde Shell
sein Projektteam erst zum Ende des Jahres abziehen, hieß es.
Der bislang vor allem auf Kohle und Atomkraft setzenden größte deutsche Energiekonzern will in den kommenden Jahren sein Geschäft mit Ökostrom massiv ausbauen. Eon
will hier bis 2010 rund sechs Mrd. Euro investieren. Im vergangenen Jahr hatten die Düsseldorfer von Dong für 722 Mill. Euro Windkraftanlagen in Portugal und Spanien übernommen. Der Konzern setzt nicht nur auf Europa, sondern auch auf die USA. Dort hat Eon
2007 für 1,4 Mrd. Dollar das Nordamerika-Geschäft des irischen Windparkbetreibers Airtricity übernommen.
