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22.09.2008 
Kalk reinigt Rauchgase

Erfolgreicher Kampf gegen dicke Luft

von Erny Hildebrand

Mal eben frische Luft schnappen - das sagt sich leicht. Doch wer nicht gerade im Luftkurort lebt, hat mitunter Schwierigkeiten, das Vorhaben in die Tat umzusetzen. Fast überall, wo etwas produziert wird, entstehen Industrieabgase. Neue Absorptionsverfahren sollen die dicke Luft besser von Schadstoffen befreien.

Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: Große Rohre transportieren Rauchgase zur Entschwefelungsanlage. Foto: Paul LangrockLupe

Braunkohlekraftwerk in Jänschwalde: Große Rohre transportieren Rauchgase zur Entschwefelungsanlage. Foto: Paul Langrock

DÜSSELDORF. Beim Betrieb von Kraftwerken und Müllverbrennungsanlagen etwa bilden sich Rauchgase. Um Schwefel, Dioxine, Furane und andere Giftstoffe aus ihnen herauszufiltern, setzt man verschiedene Hilfsmittel ein, die diese Gifte aufnehmen. Sie absorbieren die Schadstoffe, bevor der Rauch in die Luft gelangt. Zu den wichtigsten dieser Absorptionsstoffe gehört Kalk. "Mit unterschiedlichen Kalkprodukten und Verfahrenstechniken lässt sich bei der Rauchgasreinigung für jede Anlagenart eine optimale Abscheideleistung erreichen", sagt Andreas Wecker vom Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie. Für ihn sind Kalkprodukte und innovative Sorptionstechnologien die Favoriten im Wettbewerb um saubere Luft.

So kombiniert SRS Ecotherm, Betreiberfirma einer Müllverbrennungsanlage im emsländischen Salzbergen, eine sogenannte selektive Stickoxidminderung ohne Katalysator und eine Sprühabsorption, die mit Kalkmilch betrieben wird. Dadurch müssen die Rauchgase nach der Sorptionsstufe nicht mehr aufgeheizt werden. In der Folge steigt die Energieeffizienz der Anlage. "Solche Maßnahmen führen mittlerweile wieder zu einer weitgehenden Akzeptanz dieser einfachen Technik", sagt Andreas Wecker.

Um eine geplante Durchsatzerhöhung von 20 Prozent zu erreichen, ersetzte man hingegen im Müllheizkraftwerk Ludwigshafen die nasse Reinigung teilweise durch eine Kombination aus Sprühsorption mit konditionierter Trockensorption. Bei ihr wird Kalkmilch fein zerstäubt mit dem etwa 130 bis 150 Grad heißen Rauchgas in Berührung gebracht. Andreas Wecker: "Für die Teilerneuerung der Anlage wurde ein System von Kanalweichen installiert. Damit kann die gesamte Anlage effektiver genutzt werden, auch wenn die Rauchströme zeitweilig nicht so groß sind."

Schon in den ersten Betriebsmonaten zeigte sich, dass das Kraftwerk damit auch bei einer Leistungssteigerung und einem niedrigen Brennstoffmittelverbrauch die Grenzwerte einhält. "Und mit weiteren Feineinstellungen lässt sich die Grenze der ökonomischen Betriebsweise sicher noch weiter nach unten regulieren", glaubt Wecker.

Das Essener Unternehmen Enviroserv plant und baut nicht nur Anlagen zur Rauchgasreinigung, ihre Ingenieure optimieren auch bereits bestehende Anlagen. "Für die Verwendung von Kalk und Kalkstein spricht unter anderem ein Entschwefelungsgrad von mehr als 99 Prozent", so Christian Moser, Geschäftsführer des Unternehmens und verantwortlich für den Bereich Forschung und Entwicklung. Auch in Deutschland ist der Rohstoff leicht verfügbar und wird von Firmen wie den Kalkwerken H. Oetelshofen aus Wuppertal in großen Mengen abgebaut und zum Beispiel zu Kalkmilch aufbereitet.

Für die Anlagen ist auch die Qualität der Sorptionsmittel entscheidend. So produziert die Harburger Märker Gruppe beispielsweise ein Kalk-Kohle-Gemisch und kann mit seinen Mischanlagen spezielle Rezepturen auf Kundenwunsch fertigen, die eine ganze Schadstoffpalette oder gezielt einzelne Schadstoffe aus den Rauchgasen entfernen.

Beim Einsatz von Kalk in Kohlekraftwerken fallen am Ende dieses Prozesses allein in Deutschland jährlich mehr als sieben Tonnen sogenannten REA-Gipses an. Er ist als Nebenprodukt der Rauchgasreinigung ein Baustoff, der dem Naturgips in seiner chemischen Zusammensetzung sehr ähnlich ist.

Für Architekt Conrad Lutz, der kürzlich vom schweizerischen Bundesamt für Energie mit dem Energieeffizienzpreis "Watt d'Or" ausgezeichnet wurde, gehört REA-Gips zu den empfehlenswerten Baustoffen. Für sein "Green Office" in Givisiez in der Schweiz verbaute er Fermacell, also REA-Gipsfaserplatten der Duisburger Firma Xella International. Die Kombination der Baustoffe Holz und Gips brachte ihm "nicht nur eine optimale Energiebilanz, sondern auch ein ausgezeichnetes Raumklima", sagt der Architekt.

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