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10.10.2007 

Gemeinsam arbeiten Chemiker und Meteorologen daran, den Zusammenhang zwischen Luftverunreinigungen, die der Mensch verursacht, und dem wachsenden Ozonloch zu ergründen, das sich bis über die Neumayer-Station erstreckt. Die deutschen Forscher sind die Einzigen, die dessen Veränderung kontinuierlich gemessen haben. „Die Konzentration sank bis Ende der Neunzigerjahre“, sagt Gernandt, „seitdem stagniert sie.“ Die Forscher ermitteln die Ozonverteilung mithilfe eines heliumgefüllten Wetterballons, der täglich aufsteigt. Er trägt auch einen Ozonsensor, der die Konzentration in Abhängigkeit von der Höhe erfasst. Ozon schützt die Erde vor aggressiven ultravioletten Strahlen.

Schuld am Ozonabbau waren die äußerst langlebigen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), die lange in Kühlgeräten und Spraydosen verwendet wurden. „Dass die FCKW im Montreal-Protokoll 1987verboten wurden, ist einer der herausragendsten Erfolge der Forschung in der Antarktis“, sagt König-Langlo. Das Ozonloch wurde dort 1985 entdeckt, ebensoder Zusammenhang mit FCKW. „Wenn das nicht gewesen wäre, hätten wir heute ein noch größeres Treibhausproblem“, sagter. Jedes FCKW-Molekül habe einen 20 000-mal größeren Negativeffekt als ein Kohlendioxid-Molekül.

Anhand der täglich ermittelten Daten, von denen Wetterdienste in aller Welt in Echtzeit profitieren, erstellt die deutsche Station die offizielle Wetterprognose für das gesamte Königin-Maud-Land, das rund ein Dutzend internationale Forschungsstationen auf 2,8 Millionen Quadratkilometern beherbergt. „Die verlassen sich auf uns“, freut sich König-Langlo. Vor allem die Flieger. Jährlich gibt es dort einige 100 Flüge. Alle Stationen werden teilweise aus der Luft versorgt. Außerdem gibt es zahlreiche Überflüge aus wissenschaftlichen Gründen. Jeder Flug muss sorgfältig geplant sein. Wichtig zu wissen ist, wie sich das Wetter bis zur Landung am Zielort verändert, wie es beim späteren Start ist und was den Piloten und seine Truppe dann bei der Rückkehr erwartet.

Künftig sollen sie noch präziser ausfallen als bisher, auch die in anderen Weltregionen. Die Antarktis ist Ausgangspunkt für gewaltige Meeresströmungen, die durch unterschiedliche Temperaturen in verschiedenen Tiefen ausgelöst werden. Die beeinflussen weltweit das Wettergeschehen. Nicht weniger bedeutend für das Wetter auch in weit entfernten Regionen ist die Funktion der gewaltigen Eismasse als Kühlschrank. Während die Atmosphäre während des antarktischen Winters praktisch abgeschottet ist, sodass es keinen Luftaustausch mit anderen Regionen der Welt gibt, ändert sich das mit Beginn des örtlichen Frühlings: Die Antarktis exportiert praktisch ihr Wetter Richtung Norden. „Wenn wir das noch besser als bisher verstehen, können wir sogar die längerfristigen Prognosen für Europa verbessern“, sagt König-Langlo.

Quelle: Wirtschaftswoche, Nr. 38, 17.09.2007.

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