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05.09.2008 
Neue Bohrtechnik

Geothermie für das Eigenheim

von Stefan Merx

Mit High-Tech-Gerät tief unter Tage gehen – das hat im Ruhrgebiet Tradition. Stand dabei bisher meist Kohle im Fokus, sorgt nun eine Art Wärmebergbau für den Vorgarten für Aufsehen: Forscher der Hochschule Bochum haben ein Verfahren namens Geojetting entwickelt, mit dem sich Einfamilienhäuser schneller und kostengünstiger mit ökologisch sinnvollen Erdwärme-Heizungen austatten lassen.

Die neue Bohrtechnik macht es möglich, auch sternförmig in die Tiefe zu bohren. Foto: prLupe

Die neue Bohrtechnik macht es möglich, auch sternförmig in die Tiefe zu bohren. Foto: pr

KÖLN. Forscher der Hochschule Bochum haben ein Verfahren namens Geojetting entwickelt, das mit extrem hohem Wasserdruck Löcher einige hundert Meter tief in den Boden treibt. „Wir sind damit etwa drei bis fünf Mal so schnell wie traditionelle Bohrverfahren“, sagt Rolf Bracke, Vorstand des Geothermie-Zentrums an der Hochschule Bochum und einer der Innovatoren. Ziel der Bohrungen ist es, sogenannte Erdwärmesonden für die Hausheizung schneller und kostengünstiger in den Boden zu bringen.

Der Clou: Beim Geojetting zerschießt das Wasser jegliches Gestein unter der Erde. Selbst Granit werde mit der Präzision einer Klinge zerkleinert und sogleich als gelöste Masse in die Poren des Umgebungsgesteins gepresst, sagt Bracke. Vorteil: Kein Schlamm und Abraum dringt mehr nach oben. „Früher wurden oft Vorgärten verwüstet, jetzt kann man sich auch auf kleinen Grundstücken im Bestand sauber nach unten arbeiten“, sagt der Geologe. Über einen einzigen Einstich ins Erdreich können verschiedene sternförmige Bohrungen vorgenommen werden. Länger als einen Tag braucht das raupenähnliche Gerät dafür nicht. Schrägbohrungen? Auch kein Problem.

Bild für Bild: Tiefenbohrung mit Geojetting

Schnell zugegriffen hat der Heiztechnik-Spezialist Vaillant. Das Remscheider Unternehmen sicherte sich über ein Joint Venture mit Brackes Firma Geojetting – einem Hochschul-Spin-Off – die exklusiven Nutzungsrechte an der Innovation. „Wir wollen unser Geschäft mit regenerativen Energien weiter ausbauen“, begründet Vaillant-Chef Ralf-Otto Limbach. Schon heute erziele Vaillant hier rund ein Fünftel des Deutschland-Umsatzes.

Die jetzt gegründete Tochtergesellschaft Vaillant Geosysteme solle das neue Bohrverfahren ab sofort europaweit vermarkten. Somit bohrt sich Vaillant als erster großer Hersteller von Wärmepumpen den Weg selber frei. „Der Kunde bekommt von uns erstmals das gesamte Dienstleistungspaket von der Planung, über die Bohrung bis zu Einbau und Wartung der Wärmepumpe“ , sagt Limbach.

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