Ist Deutschland am Ende großflächig mit Monokulturen aus Pappeln und Ahorn zugepflastert? „So schlimm kommt es nicht“, wiegelt Rudloff ab. Es würden gerade einmal drei Prozent der heute landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland gebraucht, oder 65 Prozent der brachliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen, die das Bundeslandwirtschaftsministerium mit knapp 8000 Quadratkilometer angibt.
Weit problematischer ist der Verkehr, den jede Sigma-Anlage auslöst. Rund um die Uhr muss alle zehn Minuten ein Lastwagen eine Ladung Holz anliefern.
Um die Biomasse in Treibstoff umzuwandeln, ist zudem Strom und Wärme notwendig. Die benötigte Energie für Transport und Herstellung senkt den Gesamtwirkungsgrad der Anlagen nach Berechnungen des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie auf 37 bis 43 Prozent. Choren ist optimistisch, ihn auf bis zu 64 Prozent anheben zu können.
In Schwedt an der Oder soll ab 2009 für 800 Millionen Euro die erste 200 000-Tonnen-Anlage für synthetischen Diesel entstehen. Ob sie wirklich gebaut wird steht noch nicht fest. Die Freiberger hoffen auf eine Verlängerung der bis 2015 befristeten Steuerbefreiung für Biokraftstoffe der zweiten Generation. „Sonst ist die Anlage nicht zu refinanzieren“, befürchtet Rudloff.
Die Sachsen kalkulieren mit anfänglichen Produktionskosten von 100 Cent pro Liter. Damit lägen sie etwas über denen für heutigen Biodiesel und deutlich über denen für mineralischen Diesel. Der mittlerweile pensionierte Verfahrensentwickler und Choren-Gründer Bodo Wolf ist sicher, dass die Kosten noch drastisch reduziert werden können. Alternativ zu einer längeren Steuerbefreiung könnte Choren auch mit einer Beimischungspflicht für Biosprit der zweiten Generation leben. Rudloff: „Beides gibt uns Planungssicherheit.“
Um die Bundesregierung von einem der Schritte zu überzeugen, setzt der Manager auf das Klimaargument. Reines SynFuel, so Rudloff, setze 90 Prozent weniger Klimagase frei und entlaste die Luft weitgehend von Rußpartikeln, wie sie Motoren ausstoßen, die mineralischen Diesel verbrauchen. „Wenn Deutschland seine Vorreiterrolle beim Klima behalten will, muss Berlin handeln.“ Die Technik der Sachsen hat weltweit Neugier geweckt. Anfragen gibt es aus Kanada, Schweden, Norwegen, Frankreich und den USA. Rudloff: „Die warten nur darauf, dass unsere Freiberger Anlage ihre Zuverlässigkeit beweist.“
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