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11.10.2007 
Treibhausgase

Klimakiller Internet

von Axel Postinett

Die globalen Rechenzentren alleine sind für rund 23 Prozent der Treibhausgase verantwortlich, die von der weltweiten IT- und Kommunikations-Industrie erzeugt werden. Der Klimakiller Internet stellt damit eine Branche in den Schatten, die seit jeher mit hohen Emissionen in Verbindung gebracht wird. Und: Der Ausstoß wächst einem Experten zufolge dramatisch schnell.

Blick in ein Rechenzentrum: Beengte Platzverhältnisse, zu wenige Hochleistungsserver, statt dessen viele kleine Server, und ständig steigender Stromverbrauch sorgt für steigende CO2-Emissionen. Foto: dpa Lupe

Blick in ein Rechenzentrum: Beengte Platzverhältnisse, zu wenige Hochleistungsserver, statt dessen viele kleine Server, und ständig steigender Stromverbrauch sorgt für steigende CO2-Emissionen. Foto: dpa

LOS ANGELES. Nach einer aktuellen Gartner-Studie liegt die gesamte Telekommunikations- und IT-Industrie bei der CO2-Produktion sogar schon gleichauf mit der Luftfahrtindustrie. Rakesh Kumar, verantwortlicher Gartner-Analyst: „Die Rechencenter verursachen noch weniger CO2-Ausstoß als PC und Monitore, die 40 Prozent ausmachen. Aber der Ausstoß der Datencenter ist wesentlich konzentrierter und wächst dramatisch schneller.“

Drei Gründe sind laut Gartner für den Trend verantwortlich: Beengte Platzverhältnisse, zu wenige Hochleistungsserver, statt dessen viele kleine Server, und ständig steigender Stromverbrauch. Während in den vergangenen drei Jahren immer mehr und größere Server installiert wurden, seien in den letzten sieben Jahren kaum neue, leistungsfähige Rechenzentren gebaut worden.


» Wie Sie Ressourcen nicht vergeuden: Informieren Sie sich umfangreich über das Thema Energie und Umwelt

Das Problem wird sich bald auch auf die Profitabilität der betroffenen Unternehmen auswirken. „Wir glauben, dass Energieeffizienz im Rechenzentrumsbetrieb ein wichtiges Schlüsselkriterium sein wird“, so Analyst Kumar. Die Kosten für den Betrieb eines Datencenters verlagern sich immer mehr weg von Hard- und Software zu Kühlung und Stromverbrauch, so IBM Research in einer Studie. „Unser Stromvebrauch hat sich in den vergangenen vier Jahren verdoppelt und wird sich in den kommenden fünf Jahren verdreifachen“, erwartet Debra Chrapaty, Vizepräsidentin für die Windows Live-Aktivitäten, das Internet-Geschäft rund um Internet-basierte Windows-Produkte. „Die Frage, wie wir dieses Problem angehen, wird entscheidend unsere Ergebnissituation bestimmen.“

Das Einsparpotenzial ist dabei enorm: bei einem durchschnittlichen, ca. 2500 qm grossen Rechenzentren, könnten heute bis zu 42 Prozent Energieeinsparung erreicht werden, schätzt IBM, ein Gegenwert von bis zu 7400 Tonnen CO2.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wer noch zu den größten Energiefressern gehört

Neben großen Rechenzentren von IT-Dienstleistern wie IBM, HP oder EDS gehören die Datencenter der Telekommunikationsindustrie zu den größten Energiefressern. Spätestens seit dem Erfolg der Websuchmaschine Google ist auch das Internet überproportional am Boom der Rechenzentren beteiligt. Dabei gilt Google selber als einer der größten Umweltsünder. Das Unternehmen betreibt weltweit zigtausende Server – die genaue Zahl wird geheim gehalten – alle auf Basis einfacher normaler PC-Systeme, jeder mit eigenem Prozessor und Festplatten, übereinander gestapelt in riesigen Schränken. Google soll bereits in seinem neuen Firmencampus in The Dalles, Oregon, an einer neuen Serverfarm von gewaltigem Ausmaß arbeiten, berichtet das Web-Magazin Wired. The Dalles sei nur gewählt worden, weil ein riesiger Staudamm billige Energie und Kühlwasser im Überfluß liefere. Früher wurde hier Aluminium erzeugt.

Aber Konkurrenten wie Yahoo oder Microsoft holen auf und bauen neue, riesige Datencenter. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht; neue Trends wie „Software as a Service“ (Internet-Mietsoftware) erfordern immer mehr Speicher- und Rechenkapazitäten, um die anfallenden Datenmassen der Anwender zu verarbeiten. Das größte Datencenter Microsofts steht in Quincy, Washington. In der Endphase soll es 1,5 Mill. square feet Nutzfläche bereithalten.

Die IT-Industrie hat den Trend zum Öko-Server 2006 erkannt und beginnt, sparsamere Alternativen zu entwickeln. Ein großer Trend in den USA ist die Virtualisierung. Dabei teilen sich viele Anwender nur einen Großrechner. IBM hat etwa Mitte 2007 den Neubau eines 86 Mill. Dollar teuren „Green-IT“-Rechenzentrums in Boulder, Colorada, angekündigt, in dem ab Mitte 2008 auf zusätzlichen rund 7 500 qm Hochleistungsrechner für die Virtualisierung bereitstehen sollen. Insgesamt hat IBM angekündigt, im Projekt „Big Green“ eine Milliarde Dollar jährlich für die Steigerung der Energieeffizienz über alle Geschäftsbereiche auszugeben.

Energieversorger wie PG&E (Pacific Gas & Electric) im von ständiger Stromknappheit bedrohten Kalifornien geben mittlerweile Großkunden im Großraum San Francisco uns im Silicon Valley sogar finanzielle Zuschüsse, wenn sie veraltete, stromfressende Rechenzentren aufgeben und auf moderne, virtualisierte Rechner umstellen. Denn der nächste Sommer kommt bestimmt und damit die Zeit der Blackouts. Und niemand will, dass es wieder so wird wie Anfang 2001: Da musste der damalige kalifornische Gouverneur Gray Davis den Energie-Notstand ausrufen. Fast 400 000 Menschen in Kalifornien waren im Rotationsverfahren von zeitweiligen Stromabschaltungen betroffen, die bis zu 90 Minuten andauerten. Besonders hart waren damals San Francisco, San Jose und Oakland betroffen, die Zentren der aufstrebenden Internet-Wirtschaft.

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