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11.07.2007 

Die indische Regierung ist bereits eingestiegen. Sie will in großtechnischem Maßstab aus Jatropha Biodiesel gewinnen. Um den Anbau zu forcieren, wurde auf dem Subkontinent eigens das Center for Jatropha Promotion gegründet. Deren erstes Ziel ist es, die Sträucher auf 100 000 Hektar Fläche anzupflanzen, um aus den Erträgen jährlich 100 000 Tonnen Biodiesel zu gewinnen. In Hyderabad ist bereits eine Raffinerie mit einer Kapazität von 10 000 Tonnen in Betrieb. Zum Vergleich: Die deutsche Biodieselkapazität auf der Basis von Raps liegt derzeit bei über drei Millionen Tonnen.

Unterstützung bei der Aufbauarbeit leisten den Indern die Universität Hohenheim in Stuttgart, DaimlerChrysler und die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft. Ziel der Forscher ist es, die Qualitäten der Wildpflanze durch Züchtungen zu verbessern. "Der Ertrag lässt sich glatt verdoppeln", glaubt Professor Klaus Becker, Jatropha-Experte an der Universität Hohenheim.

Um das Interesse der indischen Bevölkerung für die neue Energiequelle zu wecken, schickte DaimlerChrysler vor gut zwei Jahren einen Diesel-Mercedes kreuz und quer über den Subkontinent. Er tankte ausschließlich Biodiesel aus dem Öl wild wachsender Jatropha-Büsche, den ein Begleitfahrzeug im Schlepptau des Mercedes transportierte.

Mittlerweile wird die Pflanze in Indien auf 30 Hektar kultiviert. Insgesamt stehen in Indien 60 Millionen Hektar Fläche für den Jatropha-Anbau zur Verfügung, schätzt Jinabhai Sambhubhai Patolia vom Central Salt and Marine Chemicals Research Institute im indischen Bhavnagar, dem einheimischen Partner der Deutschen. Weltweit könnte Jatropha auf rund 300 Millionen Hektar angepflanzt werden, schätzt das Institut. Das würde reichen, um eine Region von der Größe und Bevölkerungsdichte Westeuropas mit Dieselkraftstoff zu versorgen.

Auf Pflanzenöl als Kraftstoff setzt auch der deutsche Küchengerätehersteller Bosch Siemens Hausgeräte (BSH). Um Kerosin aus Erdöl und Brennholz zurückzudrängen, entwickelte er einen Pflanzenölkocher, den weltweit 2,5 Milliarden Menschen mit Jatropha oder Palmöl betreiben könnten. Der Kocher emittiert nur ein Promille der Schadstoffe, die offene Holzfeuer ausstoßen, sagt Elmar Stumpf, der den Kocher als Wissenschaftler an der Universität Hohenheim entwickelt hat. Das Klima profitiert ebenso davon wie der Regenwald. BSH brachte den Pflanzenölkocher zur Serienreife. Produziert wird er auf den Philippinen. Nur der Brenner wird aus Deutschland zugeliefert.

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