Deutlich verengen dürfte sich die Schere in den Betriebskosten durch die schärferen Klimaschutzauflagen ab 2012, wenn die Versorger die Zertifikate, die sie für die Emission des klimaschädlichen CO2 benötigen, nicht mehr umsonst bekommen und Kohlekraftwerke schlechter ausgestattet werden. Dann kommen auf die Betreiber von Stein- und Braunkohlekraftwerken höhere Kosten zu, weil diese vergleichsweise viel CO2 ausstoßen. Zwar setzen neue Kohlekraftwerke inzwischen die eingesetzte Energie effizienter in Energie um. RWE baut etwa im westfälischen Hamm ein 1 600 Megawatt starkes Steinkohlekraftwerk mit einem Wirkungsgrad von 46 Prozent. Verglichen mit alten Anlagen, deren Wirkungsgrad im Schnitt bei 32 bis 33 Prozent liegt, wird dadurch der CO2-Ausstoß um etwa 2,5 Millionen Tonnen jährlich bei gleicher Stromproduktion verringert. Eon forscht schon an einer Anlage mit einem Wirkungsgrad von 50 Plus. Gaskraftwerke werden aber trotzdem überlegen bleiben.
Die große Hoffnung der Kohlelobby ist die Vision vom CO2-freien Kohlekraftwerk. RWE und Vattenfall forschen eifrig an der Abscheidung des CO2 in der Stromproduktion, das dann in unterirdischen Speichern gelagert werden soll. Ob aus der Vision aber Wirklichkeit wird, steht noch in den Sternen. Technisch ist das zwar machbar, aber hinter der Wirtschaftlichkeit stehen dicke Fragezeichen. Zudem rechnet die Branche mit erheblichen Widerständen in der Öffentlichkeit gegen die Endlagerung des CO2.
Der Bau eines Großkraftwerkes ist eben eine Rechnung mit vielen Unbekannten, was viele Investoren zögern lässt. Schließlich liegen die Investitionskosten im Milliardenbereich – und die Anlage soll Jahrzehnte stehen. Die Stadtwerke Kiel haben ihre Entscheidung deshalb um drei Jahre verschoben – das Management will abwarten, wie sich die Forschung an der CO2-freien Kohletechnologie entwickelt.
Die Vattenfall-Führung glaubt, dass ihm die aktuelle Unsicherheit in die Hände spielt. Es werde sich kein Investor finden lassen, der sich auf ein großes Gaskraftwerk in Hamburg einlassen wird, gibt sich das Management überzeugt. Und es pocht auf die Genehmigung des umstrittenen Projekts – obwohl die zuständige Behörde künftig von einer grünen Senatorin geführt wird.
