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04.01.2008 
Umweltschutz in China

Saubere Perspektive

von Martin Seiwert und Matthias Kamp, Wirtschaftswoche

Smog verdunkelt den Himmel, Flüsse und Kanäle verkommen zu Kloaken: Die Umweltverschmutzung nimmt in China immer dramatischere Ausmaße an. Von den 20 Großstädten mit der schlechtesten Luftqualität weltweit liegen 16 in China.Die Regierung verschärft nun den Kampf gegen Umweltsünder - und macht deutschen Unternehmen Hoffnung auf große Geschäfte.

Smog in einem Industriegebiet von Taiyuan: Die Umweltverschmutzung in China nimmt rasant zu. Foto: reutersLupe

Smog in einem Industriegebiet von Taiyuan: Die Umweltverschmutzung in China nimmt rasant zu. Foto: reuters

PEKING. Für Mirko Winter begann der Einstieg ins China-Geschäft ohne eigenes Zutun. „Irgendwann vor drei Jahren bekam ich einen Anruf von einem Vertreter eines Unternehmens aus China“, erinnert sich der Geschäftsführer der Anlagenbau Umwelt+ Technik (AU+T) in Chemnitz, einem Hersteller von Entsorgungs- und Recyclinganlagen für Elektroschrott und Haushaltsgeräte. Ein Mitarbeiter der Pekinger Sumstar-Gruppe fragte ihn, wie seine Maschinen funktionieren, was sie kosten und vor allem, wie schnell er liefern kann. Sumstar, eine Investmentgesellschaft, die in China Krankenhäuser plant und realisiert, wollte in größerem Stil Recyclinganlagen für medizinische Geräte kaufen. Nachdem Winter in mehreren Präsentationen die Produkte seines Hauses vorgestellt hatte, entschieden die Chinesen, bei AU+T zu kaufen.

Seitdem hat Winter die Chinaaktivitäten seines Unternehmens kräftig erweitert. In Peking unterhält AU+T inzwischen eine Niederlassung mit zwei Mitarbeitern. Der Chef selbst ist sechs- bis siebenmal im Jahr vor Ort, um nach neuen Kunden Ausschau zu halten. Mit Erfolg: So sind die Deutschen mit dem weltweit operierenden Haushaltsgerätehersteller Haier aus Qingdao im Nordosten Chinas im Gespräch. „Die Zeichen stehen auf Expansion.“

So wie AU+T wittert derzeit die gesamte deutsche Umweltbranche das große Geschäft im Reich der Mitte. Chinas Nachholbedarf beim Umweltschutz ist in der Tat gewaltig. Viele Städte und Landstriche haben knapp ein Jahr vor den Olympischen Spielen eine verheerende Umweltbilanz.

Von den 20 Großstädten mit der weltweit schlechtesten Luftqualität liegen 16 in China. Die Menschen in der Hauptstadt Peking etwa haben im Jahr bis zu 300 Smogtage zu verkraften. An manchen Tagen ist der Smog so dicht, dass man keine 150 Meter weit gucken kann. Vor allem im kalten Pekinger Winter, wenn die Heizungen auf Hochtouren laufen, halten sich die Menschen morgens auf dem Weg zur Arbeit ihre Schals vor Mund und Nase. Zu beißend ist der Gestank nach verbrannter Kohle und Autoabgasen. Auf sieben Fahrspuren für jede Richtung quälen sich die Autos mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern über Pekings Ringstraßen und stoßen dicke schwarze Wolken in den schmutzigen Pekinger Himmel.

Auch viele Flüsse, Kanäle und Seen sind zu siechenden Kloaken verkommen, weil Industrieunternehmen sie oft als billigen Abfluss für ihre Abwässer nutzen. Sieben der neun größten Seen des Landes sind nach Angaben der Regierung „total verschmutzt“. Was früher Wasser war, ist oftmals nicht mehr als eine schwarze, dickflüssige Brühe. Wer einen Stein hineinwirft, hört kein Plätschern mehr. Nach chinesischen Angaben haben 350 Millionen Einwohner keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Im Juli dieses Jahres etwa waren 200 000 Menschen in der Provinz Jiangsu für zwei Tage von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Grund: Statt der maximal zulässigen 0,48 Milligramm pro Liter, lag der Gehalt an Ammonium-Stickstoff bei 28 Milligramm je Liter. Aus den Wasserhähnen kam nur noch eine schwarze, stinkende Brühe.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Umweltzerstörung kostet Wirtschaftswachstum.

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