Die russische Atomindustrie freut sich schon auf die neuen Möglichkeiten. Daheim ist sie bereits gut beschäftigt. Zudem baut sie Anlagen in Iran, China und in einigen Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Anders als die noch bis in die Achtzigerjahre gebauten Kernkraftwerke sind die der jüngsten Generation mit einer Vielfalt an Sicherheitstechnik ausgestattet.
Sie haben beispielsweise eine absolut dichte doppelte Hülle aus Stahl und Stahlbeton, die auch Flugzeugabstürzen widersteht. Außerdem soll sie dafür sorgen, dass bei einem schweren Unfall radioaktive Partikel eingeschlossen bleiben und nicht, wie nach der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986, über weiten Teilen Europas niedergehen. Die modernen russischen Anlagen sind zudem mit einer gekühlten Wanne ausgestattet, die den gesamten Reaktorkern auffängt, wenn dieser durch einen schweren Unfall schmilzt.
All diese Sicherheitssysteme hat auch der größte Reaktor der Welt, der European Pressurized Reactor. Die ersten 1600-Megawatt-Anlagen des französisch-deutschen Unternehmens Areva entstehen derzeit in Finnland und Frankreich.
Chancen rechnet sich das Areva-Management auch in den USA aus. Doch die Konkurrenz ist hart. General Electric und der japanische Konzern Hitachi treten dort mit einer Gemeinschaftsentwicklung an. Mitsubishi, das bereits sieben Anlagen der aktuellen dritten Generation gebaut hat, will ebenfalls ins US-Geschäft einsteigen. Neben General Electric, das auch eine Eigenentwicklung anbietet, tritt Westinghouse als zweiter Single auf dem US-Markt mit einem relativ kleinen 1 200-Megawatt-Reaktor an.
Wie viele Neuanlagen die US-Stromversorger bauen, ist noch offen. Zunächst wird dort der zweite Block des Kernkraftwerks Watts Bar fertiggestellt, dessen Bau 1985 nach den Reaktorunfällen in Three Mile Island (USA) und Tschernobyl eingestellt wurde.
Und Chinas Nuklearindustrie? Einige Kernkraftwerke mit einheimischer Technik laufen bereits. Doch allein darauf will das Land sich nicht verlassen. So sind auch der russische Nuklearriese Rosatom mit seiner Kraftwerkstochter AtomStroyExport und Areva im Land tätig. Davon können die einheimischen Experten nur lernen.
