Reagiert hat die Branche meist mit langfristigen Lieferverträgen, die sie mit den wenigen großen Siliziumherstellern wie Wacker Chemie abgeschlossen haben. Sunways setzt nun zusätzlich auf die Eigenproduktion. „Uns waren die Preise schlicht zu hoch“, sagt Finanzchef Wilhelm. Die Branche insgesamt wird ihren Bedarf mit dem aktuellen Angebot jedoch nicht decken können. Deshalb haben die Siliziumhersteller angekündigt, die Produktion zu erhöhen. Im Jahr 2010 würden bis zu 78 000 Tonnen in den Markt gepumpt, prognostiziert Frost & Sullivan-Analyst Pramodh Panchanadam: „Vorher werden die Preise aufgrund der sehr hohen Nachfrage jedoch nicht sinken.“
Ein anderer Faktor macht Panchanadam allerdings sicher, das die Industrie trotz der hohen Preisen langfristig einen Aufschwung erlebt: „Die Dünnschichttechnologie kann die Preise dämpfen.“ Bei diesem Verfahren wird ein Halbleitermaterial hauchdünn auf Glas, Stahl oder Kunststoff aufgetragen. Das spart gegenüber der Herstellung von so genannten Wafern, den Scheiben auf die das kristalline Silizium aufgetragen wird, kräftig Kosten. Allerdings wandelt die neue Technik noch bedeutend weniger Licht in Strom um als kristallines Silizium. Die ältere Technik erreicht Wirkungsgrade zwischen 14 und 17 Prozent, bei Dünnschichtsolarzellen liegt der Wert selten über fünf bis sieben Prozent. Für dieselbe Energieleistung wäre also eine mehr als doppelt so hohe Menge an Solarzellen nötig.
„Die Dünnschichtzelle kann eine wichtige Nische im Markt besetzen“, sagt Eicke Weber – mehr aber auch nicht. Der Silizium-Forscher, der gerne von den zusätzlichen 110 Stellen berichtet, die seit seinem Amtsantritt an seinem Institut entstanden seien, lässt keinen Zweifel daran, dass er eine andere Technik für geeigneter hält, die Solarzellenbranche zu revolutionieren: nämlich seine eigene. Laut Webers Forschung ist für den Wirkungsgrad konventioneller Wafer weniger entscheidend, wie viele Übergangsmetalle das Silizium verunreinigen, sondern wie breit diese verteilt seien. Weber will „schmutziges“ Silizium so manipulieren, dass sich die Fremdmetalle in wenigen Clustern konzentrieren. Der Rohstoff wird dann deutlich billiger: Während die Preise für hochreines Silizium bei bis zu 200 Dollar pro Kilo lägen, könne seine Technik in ein bis zwei Jahren den Kilopreis auf ein Zehntel drücken. Nach kurzer Anlaufphase könnte „Dirty Silicon“ ein Viertel des Bedarfs befriedigen, in fünf Jahren bereits die Hälfte.
