Das ist natürlich nur ein theoretisches Rechenbeispiel. Niemand strebt die 100-Prozent-Versorgung aus Sonnenenergie an. Die Solaranlagen können den Strom auch nicht ununterbrochen liefern. Die Rechnung zeigt aus Sicht von Krupke aber, dass die Flächen nicht so schnell knapp werden. „Es gibt genug Gelände, die nicht gebraucht werden“, betont er. Das Gut Erlasee sei zehn Jahre nicht genutzt worden, bevor es zum Solarpark wurde. Heute nehmen die Module 0,6 Prozent der Fläche der Gemeinde Arnstein in Anspruch und könnten damit die 9 000 Einwohner versorgen.
Auch die Juwi-Gruppe glaubt, dass in den kommenden Jahren immer mehr Großprojekte realisiert werden. Die meisten werden nach Einschätzung von Sprecher Christian Hinsch aber in den Leistungsbereich von zwei bis zehn Megawatt fallen. Sehr große Flächen zu finden – wie den ehemaligen Militärflughafen Brandis – sei in Deutschland nämlich schwierig.
Aus Sicht der Branche helfen die Großanlagen, die Produktionskosten von Solarstrom weiter zu senken. „Damit steigen die Stückzahlen der Industrie – und das hilft langfristig, zu geringeren Stückpreisen zu produzieren“, sagt Solon-Chef Krupke. Derzeit sieht er aber aufgrund der hohen Nachfrage nach Solarmodulen kaum Chancen für Investoren von Großprojekten, die Einkaufsmacht auszuspielen.
In das Projekt in Brandis werden insgesamt 130 Mill. Euro investiert. Umgerechnet auf die Gesamtleistung von 40 Megawatt sind das 3 250 Euro pro Kilowatt. Nach Angaben des Projektentwicklers Juwi bleiben die Kosten damit um 20 bis 40 Prozent unter dem üblichen Marktpreis. Das wurde möglich, weil die Juwi-Gruppe sich für Dünnschicht-Module entschieden hat, die nicht von der Silizium-Knappheit betroffen sind und daher vergleichsweise günstig angeboten werden. Juwi-Sprecher Christian Hinsch begründet die geringen Kosten außerdem mit Skaleneffekten. „Vom Zaunbau über die Montage der Anlage bis hin zu der Anschaffung der Wechselrichter und Unterkonstruktionen sind die Effekte erheblich. Solche Großprojekte tragen immens dazu bei, dass Solarstrom immer günstiger wird“, sagt Hinsch.
Allerdings gibt es für Solarstrom, der auf Freiflächen produziert wird, nicht die gleiche Einspeisevergütung, die für den Strom aus kleinen Dachanlagen gezahlt wird. Für diejenigen Module, die schon in diesem Jahr ans Netz gehen, wird Juwi 37,96 Cent pro Kilowattstunde für die nächsten 20 Jahre erhalten. Für die Module, die erst nächstes Jahr ihre Arbeit aufnehmen, werden es nur noch 35,49 Cent sein. Zum Vergleich: Für kleine Dachanlagen, die 2007 in Betrieb genommen werden, beträgt die für 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung 49,21 Cent.

