„Die strengen Vorgaben haben einen wahren Nachfrage-Boom ausgelöst“, urteilt Olaf Hildebrand, Partner im Ingenieurbüro für Energieberatung, Haustechnik und ökologische Konzepte (Ebök). Es gehe nicht nur um Wärmeschutz, sondern auch um Lüftung und Heizung. Um mit gutem Beispiel voran zu gehen, haben die Ingenieure auch ihr eigenes Gebäude, einen Altbau aus den Fünfziger Jahren, zum Passivhaus umgerüstet. „Wir wollten zeigen, dass sich eine energetische Sanierung auch bei alten Häusern lohnen kann“, sagt Hildebrand. Auch die nordhessische Walter Fenster GmbH ist mit der Sanierung älterer Gebäude derzeit gut ausgelastet. Der Anteil der Sanierungen, der jahrzehntelang etwa die Hälfte des Unternehmensumsatzes ausmachte, liegt heute bei etwa 80 Prozent. „Neubauten spielen eine immer geringere Rolle“, sagt Walter.
Die Messlatte für energieeffiziente Gebäude sind so genannte Passivhäuser, die keine herkömmliche Heizung mehr brauchen, sondern die Wärme durch spezielle Anlagen zurückgewinnen. „In der Anschaffung sind die Häuser etwa zehn Prozent teurer als herkömmliche Bauten“, sagt Ebök-Energieberater Hildebrand. Über 30 bis 40 Jahre würde sich die Investition wegen der günstigen Betriebskosten aber lohnen.
Eine Vorzeigesiedlung dieser Art entsteht zurzeit im Düsseldorfer Medienhafen. Hier baut die Rheinwohnungsbau GmbH mehr als 100 Wohneinheiten mit High-Tech-Dämmung, einer besonders effizienten Lüftung und einer Solaranlage, die Wasser erwärmt und Strom erzeugt. Das Projekt lohnt sich indes nur durch hohe Fördergelder des Landes Nordrhein-Westfalen.
„Für den Investor bringt die Siedlung einen enormen Imagegewinn“, sagt Ralph Wortmann, beim Ingenieurbüro Wortmann & Scheerer verantwortlich für die Planung der Energietechnik in der Siedlung. Und die Aussicht auf geringe Nebenkosten lockte Interessenten: Für jede Wohneinheit gab es mehr als fünf Bewerber. „Innerhalb weniger Monate war die gesamte Siedlung vermietet“, sagt Thomas Hummelsbeck, Geschäftsführer der Rheinwohnungsbau GmbH.
Energiesparende Technologie kommt nicht nur in Wohnungen und Büros zum Einsatz: Die Druckerei Kolbe-Coloco in Versmold bei Gütersloh etwa hat ihre Produktionshallen 1999 mit einer energiesparenden Gebäudeleittechnik vernetzt. „Wir konnten die Energiekosten um 30 Prozent senken“, sagt Geschäftsführer Martin Kümmerling. Heute sorgen Wärmetauscher dafür, dass sich die Hallen mit der Abwärme der Druckmaschinen temperieren lassen. Ganz ohne externe Hilfe geht es Kümmerling zufolge aber auch hier nicht: „Im Winter brauchen wir schon noch unsere Heizung.“

