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17.10.2007 
Biogas-Anlagen

Wettlauf um das begehrte Gär-Gas

von Maike Strietholt

Der Markt für Biogas-Anlagen befindet sich im Umbruch: Während die Bauern wegen der hohen Rohstoffpreise in der Klemme stecken, steigen auch noch vermehrt Fondsgesellschaften, Energiekonzerne wie Eon sowie regionale Versorger in den Markt ein. Bald könnten sie die Landwirte ganz aus dem Geschäft verdrängt haben.

KÖLN. „Der Markt für landwirtschaftliche Biogasanlagen ist tot. Da tut sich zurzeit gar nichts mehr“, sagt Ulrich Schmack, Vorstandsvorsitzender von Deutschlands größtem Anlagenbauer Schmack Biogas GmbH in Schwandorf. Die Ernteausfälle dieses Jahres haben die Biogasbranche hart getroffen. Der Weizenpreis, Leitwert für viele landwirtschaftliche Produkte, verdoppelte sich allein seit April auf 260 Euro pro Tonne. Produzent Schmack erlitt im Juli einen Kurseinbruch, von dem die Aktie sich seitdem kaum erholt hat.

Biogas-Bauern stecken wegen der hohen Preise in der Klemme, und nun steigen auch noch vermehrt Fondsgesellschaften, Energiekonzerne wie Eon sowie regionale Versorger in den Markt ein. Das Bremer Forschungsinstitut Trend-Research erwartet eine Verfünffachung des in Biogasanlagen erzeugten Stroms bis 2020. „Das klassische Modell“, schreiben die Forscher in einer Analyse für das Handelsblatt, „wird durch industrialisierte Großanlagen abgelöst.“ Die sollen dann in großem Stil Gülle und Pflanzenabfall vergären.

Gas produzierende Landwirte stehen vor einem Dilemma, da sie große Teile des Ausgangsmaterials, das so genannte Substrat, häufig selbst kaufen müssen: Die Rohstoffpreise steigen, der Abnahmepreis für den eingespeisten Strom ist jedoch festgeschrieben. Landwirt Martin Hintermaier aus Erding betreibt mit 300 Kilowatt eine Durchschnitts-Anlage und blickt düster in die Zukunft: „Wenn die Rohstoffsituation so bleibt, muss ich die Produktion der Anlage herunterfahren.“

Energiekonzerne und regionale Versorger bauen derweil nicht nur riesige Energieparks mit Produktionsmengen von bis zu 20 Megawatt. Sie zielen bereits auf eine weiterführende Nutzung der attraktiven Bioenergie: Die Einspeisung ins Erdgasnetz. Dafür müssen sie das Biogas allerdings mit aufwändigen Verfahren aufbereiten.

Eon hat gerade erst zwei Aufbereitungsanlagen in Betrieb genommen. „Auf diese Weise kann die Biomasse am effizientesten verwertet werden“, begründet Friedrich Wolf, Geschäftsführer der Eon Bioerdgas GmbH die Investition des Großversorgers. Der unbestreitbare Vorteil dieser Lösung liegt auf der Hand: Das natürliche Gas lässt sich über das Erdgasnetz nicht mehr nur beim Bauern zu Strom machen, sondern auch anderswo nutzen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Trendforscher gehen nicht von einer Konkurrenzsituation aus.

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