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21.08.2008 
Windräder auf Wolkenkratzer

Windkraft and the City

von Brian Melican

Windräder auf den Hochhausdächern von New York? Für Michael Bloomberg, den Bürgermeister der Stadt, ist das die Energiequelle der Zukunft: „Wir haben eine ganze Menge Wind und viele hohe Gebäude - und daraus werden wir Energie gewinnen“. Doch Experten sind skeptisch.

Befindet sich bald ein Windrad oben auf dem Chrysler-Building? (Foto: dpa)Lupe

Befindet sich bald ein Windrad oben auf dem Chrysler-Building? (Foto: dpa)

Stellen Sie sich mal vor: Auf dem Empire State Building dreht sich ein Windrad. Weiter unten an der südlichen Spitze der Manhattan Island klirren Windturbinen auf dem neuen World Trade Centre. Die Statue of Liberty hält keine Flamme mehr in der Hand, sondern ein Windrad. So würde wohl die Traumstadt von Michael Bloomberg, dem Bürgermeister von New York, aussehen. Er kündigte neulich an, erneuerbare Energien in der Big Apple zu fördern: Zu seinen Plänen gehört die Ausschöpfung von Windkraftpotential oben auf den Dächern der Stadt.

"Wenn es um sauberen Strom geht, müssen wir New York zur Nummer eins in der gesamten Nation machen", begründete Bloomberg am Mittwoch sein Vorhaben, Windräder auf Wolkenkratzern bauen zu lassen. Welche Hochhäuser genau Bloomberg als künftige Standorte für die Windkraftanlagen im Visier hat, gab er nicht preis. Zunächst würden die Behörden Vorgespräche mit Eigentümern führen, um zu erörtern, welche Gebäude sich am besten für Windkraftanlagen eigneten, hieß es.

Darüber hinaus sieht Bloomberg mögliche Standorte für Offshore-Windkraftanlagen an die Küsten der Stadtteile Queens, Brooklyn und Long Island. Sein erklärtes Ziel ist es, der Anteil an aus erneuerbaren Energien stammenden Strom in New York binnen zehn Jahren auf zehn Prozent hochzuschrauben. Er will damit die Stadt langfristig von dem strapazierten amerikanischen Stromnetz abkoppeln, dessen veralteter Zustand immer wieder für spektakuläre Stromausfälle sorgt.

Doch seine Pläne erscheinen den meisten Windkraft-Experten unrealistisch. Bloomberg spricht von Kleinturbinen sowie Windrädern. Beides halten Ingenieure für problematisch. Kleinere Turbinen auf den Dächern von Wolkenkratzern wären teuer zu installieren und würden dabei wohl höchstens gerade genug Strom erzeugen, um die Aufzüge eines solchen Gebäudes zu betreiben. Rentieren würden sie sich frühestens nach 25 Jahren.

Herkömmliche Windräder hingegen würden zwar mehr Strom erzeugen, sie gefährden aber in hohem Maße die Gebäude, auf denen sie errichtet werden. Viele Wolkenkratzer würden in ihrem heutigen Zustand die Zieh- und Drehkraft eines angebauten Windrades nicht aushalten. Teure Nachtragsrüstungen wären nötig. Fachkundige äußern zudem Sicherheitsbedenken: Ein Kranz sich drehender Rotorblätter könnte verheerende Schäden in einer Stadt anrichten, sollten er sich von einem Dach losreißen.

Ein anderes, weniger plakatives Standbein Bloombergs Pläne für die Dächer von New York ist der Einsatz von Solarmodulen. Diese Idee gefällt Energie-Experten weitaus besser. "New York ist kein besonders günstiger Standort für Wind, dafür aber eine Stadt, die ihre Energiebedarf von Solarstrom prima decken könnte" erklärt Antony Pereira, Geschäftsführer eines Wind- und Solarkraftunternehmens in der Big Apple. Doch ob sich Michael Bloomberg mit einem derart unspektakulären Szenario anfreunden kann?

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