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Archäologischer Fund: Ein Keller geht auf Reisen

Schon vor mehr als 800 Jahren verstanden Zimmerleute ihr Handwerk. Das zeigt ein Keller, den Archäologen in Lübeck freigelegt haben. Um ihn zu erhalten, muss er aber umziehen – in einem voll klimatisierten Container.

Archäologen und Mitarbeiter arbeiten  an der Ausgrabung eines fast vollständig erhaltenen Holzkellers aus dem 12. Jahrhundert. Quelle: dpa
Archäologen und Mitarbeiter arbeiten an der Ausgrabung eines fast vollständig erhaltenen Holzkellers aus dem 12. Jahrhundert. Quelle: dpa

LübeckEin mehr als 800 Jahre alter Holzkeller aus Lübeck macht in einem wissenschaftlichen Pilotprojekt Karriere. In neu entwickelten Klima-Containern sollen die bis zu neun Meter langen Holzbalken unter optimalen Bedingungen lagern, bis sie dauerhaft konserviert werden können. An der Luft würden die Hölzer, die bislang im sumpfig-feuchten Untergrund lagen, innerhalb kurzer Zeit zerstört werden, sagt die Lübecker Archäologin Doris Mührenberg. Deshalb kam dem Bereich Archäologie der Hansestadt Lübeck das Projekt Arche des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik und des Deutschen Schifffahrtsmuseums wie gerufen.

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Archäologie

Das Kürzel Arche steht für „Adroit Rescue Container for Cultural Heritage“, was übersetzt etwa „cleverer Rettungscontainer für Kulturerbe“ bedeutet. „Das ist ein Kühl- und Heizcontainer, der mit Regalen und einem Messsystem ausgestattet ist, um archäologische Funde oder auch gefährdete Kunstschätze unter optimalen Klimabedingungen für eine gewisse Zeit zu lagern“, sagt Fraunhofer-Projektleiter Lars Klemm.

In solchen Containern gehen die Einzelteile des Lübecker Holzkellers am Mittwoch auf die Reise zum Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege nach Zossen bei Berlin. „Dort werden sie zunächst stehen bleiben, bis entschieden ist, nach welcher Methode die Hölzer konserviert werden“, sagt Mührenberg. Die gängigste sei, das Holz zunächst lange zu wässern, es dann mit einer Chemikalie zu tränken und ihm dann durch Gefriertrocknung die Restfeuchte zu entziehen. „Für welches Verfahren wir uns entscheiden, soll in Expertenworkshops diskutiert werden“, sagt Mührenberg.

Der Keller soll in einem Forschungsprojekt dauerhaft konserviert werden. Quelle: dpa
Der Keller soll in einem Forschungsprojekt dauerhaft konserviert werden. Quelle: dpa

Der mittelalterliche Keller wurde im Sommer 2012 bei einer Großgrabung in Lübecks Gründungsviertel entdeckt - der größte Holzkeller, der bislang bei Ausgrabungen in Lübeck gefunden wurde. „Wir haben ihn zunächst wieder zugeschüttet, bis wir die Frage der Konservierung und der Lagerung geklärt hatten“, sagt die Archäologin. In den vergangenen Tagen wurde der Keller vorsichtig freigelegt und Balken für Balken in den Klima-Containern verstaut. „Wenn die Finanzierung geklärt ist und alles glatt läuft, ist der Keller 2015 wieder in Lübeck“, sagt Klemm.

Rund 30 000 US-Dollar, umgerechnet etwa 22 400 Euro, kostet nach Angaben Klemms ein Standardcontainer, die Umrüstung zum Klima-Container schlägt mit bis zu 10 000 Euro zu Buche. Einsatzbereiche dafür gibt es nach seiner Einschätzung genug. „Ob beim Bau eines Windparks in der Nordsee, dem Brand in einem Museum oder einer Krise wie den Angriffen auf das Unesco-Welterbe Aleppo (Syrien) - immer müssen Kulturgüter in Sicherheit gebracht werden“, sagt Klemm. Sein Team wolle die Klimacontainer für die verschiedensten Einsätze weiterentwickeln.

Der mittelalterliche Keller wurde im Sommer 2012 bei einer Großgrabung in Lübecks Gründungsviertel entdeckt. Quelle: dpa
Der mittelalterliche Keller wurde im Sommer 2012 bei einer Großgrabung in Lübecks Gründungsviertel entdeckt. Quelle: dpa

  • 16.02.2013, 20:38 UhrSteinweg

    Nicht ein Wort zum Geschichtlichen Rahmen.