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Astronomie: Durchschnittsplanet begeistert Forscher

Rund 1 500 Lichtjahre von uns entfernt zieht ein Planet seine Bahn, der auf den ersten Blick recht durchschnittlich wirkt. Doch gerade das macht Corot-9b für Astronomen besonders interessant. Sie sprechen bereits von einem „Rosetta-Stein“ der Planetenforschung.

Die Illustration zeigt den Exoplaneten Corot-9b (l.) auf der Bahn um sein Zentralgestirn. Quelle: dpa
Die Illustration zeigt den Exoplaneten Corot-9b (l.) auf der Bahn um sein Zentralgestirn. Quelle: dpa

HB LONDON. Astronomen haben erstmals einen Planeten bei einem fernen Stern aufgespürt, der den Planeten unseres Sonnensystems weitgehend ähnelt. Corot-9b – so der Name des Exoplaneten – kreist um eine Stern, der etwa 1500 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Anders als viele der bislang entdeckten Exoplaneten scheint es sich bei der fernen Welt um einen - gemessen an den Maßstäben unseres Sonnensystems - eher durchschnittlichen Vertreter seiner Zunft zu handeln. Umso mehr interessieren sich Planetenforscher für ihn.

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„Dieser Planet könnte für die Exoplanetenforschung eine ähnliche Rolle spielen wie der Stein von Rosetta für die Ägyptologie“, so Claire Moutou aus dem 60-köpfigen Entdeckerteam, das den Planeten in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „Nature“ vorstellt. Der 1799 entdeckte Rosetta-Stein enthielt Texte in drei Sprachen, darunter das Ägyptisch des Altertums. Anhand dieser Vorlage konnten Forscher seinerzeit die ägyptische Hieroglyphenschrift entziffern.

Corot-9b ist etwa so groß wie der Jupiter, der größte Planet unseres Systems, und umkreist seinen Stern in etwa demselben Abstand wie der Planet Merkur unsere Sonne. Die meisten der bislang über 400 entdeckten Exoplaneten umlaufen ihre Sterne in deutlich geringerer Distanz und sind entsprechend heiß. Auf Corot-9b herrschen dagegen vermutlich Durchschnittstemperaturen zwischen -20 und 160 Grad Celsius, die auch für einige Planeten unseres Sonnensystems typisch sind.

Von der Erde aus gesehen läuft Corot-9b einmal alle 95 Tage vor seinem Mutterstern vorbei. Das ermöglicht den Astronomen, die Atmosphäre des Exoplaneten zu analysieren. Sie erhoffen sich dabei zum Beispiel Hinweise auf das Vorkommen von Wasser, Kohlendioxid oder Methan in der Planetenhülle. Die dabei gewonnen Erkenntnisse lassen sich womöglich auf die anderen nicht sonnennah kreisenden Gasriesen übertragen.

„Unsere Untersuchungen haben mehr Informationen über Corot-9b erbracht, als wir über alle anderen ähnlichen Exoplaneten besitzen“, betont Didier Queloz, Koautor der Studie und einer der Entdecker des ersten Exoplaneten, der 1995 nachgewiesen wurde. „Für unser Verständnis der Chemie bei niedrigen Temperaturen sind sie so wegweisend, dass sich dadurch ein komplett neues Forschungsfeld eröffnen könnte.“

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