
HAMBURG. Unabhängig sein, Dinge erschaffen, ein Unternehmen gründen – das stand bei Stefan Clauss schon als Student oben auf dem Wunschzettel. Dass der Sozialökonom dann doch als Angestellter in einer Werbeagentur landete, ließ seinen Drang nach Autonomie nicht verschwinden – im Gegenteil: „Immer öfter kam ich bei Projekten auf Lösungen, die mit Werbung nichts zu tun hatten. Da stellte sich irgendwann die Frage, wie ich mich noch wiederfinde in dem Job“, erzählt der Hamburger. Die Folge: Er stieg aus.
Clauss erinnerte sich an seinen WG-Kumpel Stefan Schulze-Dieckhoff – und an einen ganz speziellen Block. In den hatten die Freunde stets jede Geschäftsidee geschrieben, die sie im Studium hatten. Schulze-Dieckhoff war – jedenfalls im Geiste – noch immer mit an Bord, auch wenn er mittlerweile in Berlin lebte. Ein eigenes Unternehmen – das alte Ziel wurde lebendig. Nur womit? Die Freunde verabredeten, zwei Wochen lang jeden Abend zu telefonieren und dabei alles auszutauschen, was ihnen an Ideen durch den Kopf ging.
„Schon am zweiten Abend erinnerten wir uns an etwas, auf das wir 2003 in Portugal gekommen waren. Wir wollten unser Zelt aufschlagen, der Boden war steinig und ungemütlich und wir hatten keine Isomatten dabei. Warum, dachten wir, baut nicht mal jemand ein Zelt mit integrierter Luftmatratze?“, erzählt Stefan Clauss. Das war es.
Dreiecke sorgen für Stabilität
Etwas weitergesponnen ergab sich die Idee eines Zeltes, das der Benutzer aufbläst, anstatt es mit Stangen aufzuspannen. Technisch war das Duo zwar weitgehend unbeleckt, doch das Faible für Architektur- und Baugeschichte brachte den Einfall für eine Konstruktion: Eine sogenannte geodätische Kuppel bot sich an – eine Halbkugel, auf deren Oberfläche eine regelmäßige Verteilung von Dreiecken für Stabilität sorgt.
Diese Form bietet ein optimales Verhältnis von verwendetem Material zu umbautem Raum. Für ein Luftzelt bedeutet das: Die Außenhülle muss keine gleichmäßig dicke, aufgeblasene Hülle sein. Es genügt ein Netz aus luftgefüllten, dreieckigen Trägern, deren Zwischenräume mit normaler Zeltplane gefüllt sind. Das Zelt ist praktisch aus einem Guss. Ein Name war schnell erdacht: Heimplanet sollte die mobile Behausung heißen.