
HANNOVER. Wenn ihm ein Bein oder der Schwanz abreißt, macht das dem Axolotl gar nichts aus: Dem freundlich aussehenden Molch wachsen in kürzester Zeit komplett neue Körperteile nach, ohne dass eine einzige Narbe entsteht. Sogar Defekte an Herz, Gehirn und Wirbelsäule kann er reparieren. „Einen querschnittsgelähmten Axolotl gibt es nicht“, sagt die Molekularbiologin Katrin Reimers-Fadhlaoui von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).
Seit sieben Jahren ist Reimers-Fadhlaoui gemeinsam mit Chirurgen und Amphibienexperten dem Ambystoma mexicanum auf der Spur. An der Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie wurde jetzt ein Axolotel-Forschungszentrum eröffnet. In Aquarien sitzen 70 bis 80 dunkelgraue, weiße und goldfarbene Querzahn-Molche.
„Sie sind sehr anhänglich“, berichtet Zucht-Expertin Christina Allmeling, die sich für die Arterhaltung des in Freiheit ausgestorbenen Lurchs einsetzt. Wenn es Futter gibt, heben sie die Gliedmaßen, als oben sie winken. Sein ursprünglicher Lebensraum in Mexiko-Stadt wurde zerstört, in Gefangenschaft mausert sich Axolotl aufgrund seiner Selbstheilungskräfte zum Liebling der Forscher.
„Wir erhoffen uns einen Nutzen für Millionen von Patienten weltweit, die eine verzögerte oder ausbleibende Wundheilung haben“, erklärt Chirurg Björn Menger. Es gehe um Diabetiker, alte Menschen, Brandopfer und Kriegsverletzte. Für die Studien des Zentrums amputierte er Axolotln unter Vollnarkose einzelne Gliedmaßen, meist sorgten die Tiere aber selbst für Forschungsmaterial: „Amputationen durch Bissverletzungen sind ein fast tägliches Ereignis. Das Faszinierende ist, dass selbst bei großen Wunden binnen Sekunden die Blutung gestillt ist“, erzählt Menger.
Die Forscher in Hannover versuchen über eine Darstellung des Transkriptoms des Axolotl-Regenerationsgewebes, also der Gesamtheit der aktiven Gene, die Prinzipien seiner Wundheilung zu verstehen.