
HeidelbergGeld ist knapp, auch in der Wissenschaft. Von allen Forschungsvorhaben, die Forscher alljährlich bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) einreichen, finanziert die Organisation etwa 40 Prozent, der Rest geht leer aus. Noch schwieriger ist die Situation in den USA, wo auf den klassischen Wegen der Forschungsfinanzierung im Schnitt vier von fünf Antragstellern in die Röhre gucken.
Einige Wissenschaftler versuchen nun, auf andere Weise an Geld für ihre Vorhaben zu kommen: Sie bedienen sich einer Methode, die sich bei Hilfsorganisationen lange bewährt hat und dank Internet auch auf anderen Gebieten einen enormen Aufschwung erlebt: Sie bitten ganz normale Bürger um Kleinspenden.
Ein völlig neuer Ansatz
Für die Forschung ist dies ein völlig neuer Ansatz. Denn während Künstler, Kreative und inzwischen auch Journalisten längst auf spezialisierten Webseiten wie Spot.us oder Kickstarter um Geld für ihre Projekte werben, erschien den meisten Wissenschaftlern diese als Crowdfunding bezeichnete Methode als zu wenig aussichtsreich. Aber stimmt das auch? Schließlich hat es noch niemand ernsthaft probiert – bis jetzt.
Denn seit Anfang des Monats können interessierte Laien auch Forschungsprojekte finanzieren. Bei der SciFund Challenge, ins Leben gerufen von den Biologen Jai Ranganathan und Jarrett Byrnes von der University of California in Santa Barbara, werben insgesamt 49 verschiedene Forschungsvorhaben um das Geld des Publikums. Die beteiligten Wissenschaftler haben kurze Beschreibungen ihrer Projektvorschläge auf dem Spendenportal RocketHub eingestellt, ein Blog begleitet das Projekt mit aktuellen Informationen. Bekannt gemacht haben die Gründer ihr Projekt per Mundpropaganda über Mailinglisten und Social-Media-Plattformen.
Wikipedia für die Forschung
Unter den hoffnungsvollen Forschern ist auch ein Deutscher: Daniel Mietchen aus Jena. Zusammen mit Fabiana Kubke von der University of Auckland möchte er 12.000 Dollar zusammenbekommen, um damit eine Plattform für öffentlich aktualisierbare Übersichtsartikel aus möglichst vielen Fachgebieten aufzubauen – eine Art Wikipedia für aktuelle Forschung.
„Pro Jahr werden etwa eine Million wissenschaftliche Artikel in ungefähr 25 000 begutachteten Zeitschriften veröffentlicht – selbst auf kleinen Fachgebieten ist es da schwer, einen Überblick zu behalten“, erklärt der Forscher.
Abhilfe sollen frei zugängliche Zusammenfassungen schaffen, die permanent aktualisiert werden. Damit will Mietchen die Zeit, die Forschungsfinanzierer, Patienten, Journalisten und nicht zuletzt die Forscher selber aufbringen müssen, um in ihrem Fach auf dem Laufenden zu bleiben, deutlich reduzieren. Fast 800 Dollar sind in weniger als einer Woche für sein Projekt zusammengekommen. Das Geld soll in die Programmierung der Software und die technische Infrastruktur fließen.