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Das Raumfahrtjahr 2013: Einmal Weltraum und zurück, bitte!

Astronaut zu werden war noch nie so leicht wie heute. Gleich zwei private Unternehmen wollen zahlungskräftige Kunden an die Grenze zum All befördern. Doch das Raumfahrtjahr 2013 verspricht noch andere Höhepunkte.

Ab 2014 will das Unternehmen Virgin Galactic mit seinem SpaceShipTwo Touristen ins All bringen. Quelle: pr
Ab 2014 will das Unternehmen Virgin Galactic mit seinem SpaceShipTwo Touristen ins All bringen. Quelle: pr

DüsseldorfWeltraumtouristen können schon mal die Koffer packen – wenn sie genug Geld haben. Denn das spanische Startup Zero 2 Infinity will demnächst Ballonflüge in die Stratosphäre anbieten. Das ganze Vorhaben ähnelt dem jüngsten Rekordflug von Felix Baumgartner, soll aber bei weitem nicht so lebensgefährlich sein.

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In einer runden, vier Meter breiten Kapsel, die an einem riesigen Heliumballon baumelt, steigen vier Passagiere, begleitet von zwei Piloten, mehrere Stunden lang immer weiter in die Höhe, bis sie 36 Kilometer über der Erde schweben – fast genauso hoch wie Felix Baumgartner bei seinem Rekordsprung mit dem Fallschirm.

Offiziell beginnt der Weltraum zwar erst bei 100 Kilometern, doch die Aussicht dürfte auch aus dem Ballon schon einzigartig sein: Durch ein riesiges Fenster schauen die Passagiere auf die Erde hinab, sehen das dünne blaue Band der Atmosphäre und den gebogenen Horizont. Zwei Stunden lang fahren die Touristen mit dem Ballon durch die Stratosphäre und überblicken ein Gebiet, das 1400 Kilometer weit ist – das entspricht der Distanz von Paris nach Rom.

Dann beginnt der Abstieg – und der ist nicht minder spektakulär als der Aufstieg: Die gesamte Kapsel koppelt sich vom Ballon ab und fällt frei hinab. Bis zu 25 Sekunden lang schweben die Passagiere schwerelos durch die Kapsel. Dann öffnet sich ein riesiger Fallschirm, und die Stratosphären-Fähre segelt langsam hinab. Nach einer halbe Stunde erreicht sie den Erdboden, Airbags unter der Kapsel dämpfen die Landung ab.

Im November stieg ein Prototyp schon auf 32 Kilometer Höhe. Ende 2013 will Zero 2 Infinity den ersten Menschen in die Stratosphäre steigen lassen. Dann wird sich zeigen, wie komfortabel der überirdische Ballonflug sein wird. Im Jahr 2014 sollen die ersten Touristen mitfliegen. Flugpreis pro Person:  110.000 Euro, Reservierungen werden bereits angenommen.

Weltraum

Das spanische Startup ist nicht das einzige Unternehmen, dessen Vorbereitungen für private Reisen ins All kurz vor dem Abschluss stehen. Auch Virgin Galactic, das private Raumfahrtstartup des Unternehmers Richard Branson, will die ersten Touristen im Jahr 2014 hoch hinaus bringen, und zwar sogar auf 120 Kilometer Höhe. Sein Raumgleiter SpaceShipTwo wird dazu in 2013 weitere Tests durchführen. Mehr als 500 Interessenten haben einen Platz reserviert. Geplanter Ticketpreis: Mehr als 100.000 Dollar.

Eine Milliarde Sterne soll die Esa-Sonde Gaia erfassen. Quelle: Esa
Eine Milliarde Sterne soll die Esa-Sonde Gaia erfassen. Quelle: Esa

Ein wenig können wir uns demnächst sogar alle wie Astronauten fühlen. Im Laufe des Jahres nämlich will das kanadische Startup Urthecast zwei Hightech-Webkameras an der Internationalen Raumstation ISS montieren – die dann Videobilder der Erde aus Satellitenperspektive ins Internet senden. Einem aktiven Vulkan auf Indonesien in den Schlund schauen oder dem Nachbarn in den Garten – bald alles kein Problem mehr.

Denn glaubt man den Ankündigungen des Startups, dann wird das neue Angebot so etwas wie ein Google Earth in Bewegtbildern: Auf einem Webportal können Nutzer neueste Videoaufnahmen von großen Teilen der Erde auf einer Karte anwählen und dann anschauen. Sogar Hineinzoomen soll möglich sein, so dass Objekte bis zu einem Meter Durchmesser sichtbar werden.

Zwar landen die Videos mit zwei bis drei Stunden Verzögerung im Netz, weil die Aufnahmen immer erst zu einer von zehn Bodenstationen gefunkt werden müssen. Doch weltweit wichtige Ereignisse wie Sportevents oder Naturkatastrophen sollen als Video-Aufzeichnung schnell auffindbar sein und sich in sozialen Netzwerken teilen lassen. Und wer mal eben nahezu live über Paris fliegen möchte, kann das bald tun.

Ein kosmischer Brocken verfehlt nur knapp die Erde

Live-Videos aus dem All – das wird nicht die einzige spannende Neuerung aus der Raumfahrt sein, die das Jahr 2013 bringt. Auf dem Fahrplan der staatlichen Raumfahrtagenturen und zahlreicher privater Raumfahrtunternehmen stehen dutzende neue Missionen und Testflüge: Sonden, die zum Mars aufbrechen, ein Rover auf dem Mond und der Test der größten Rakete der Welt sind nur einige Highlights. Es wird ein außergewöhnlich spannendes Raumfahrtjahr.

Am 15. Februar heißt es aber erst einmal tief durchatmen, denn die Erde erhält besonderen Besuch aus dem All: Der Asteroid 2012 DA14 wird im Abstand von nur rund 24.000 Kilometern an unserem Planeten vorbeifliegen. Das ist bereits innerhalb des so genannten geostationären Orbits in 35.800 Kilometern Höhe, wo zum Beispiel die Fernsehsatelliten ihre Kreise ziehen.

Mit einem Durchmesser von 44 Metern könnte der Brocken beim Aufschlag auf der Erde eine Explosionskraft von 2,4 Megatonnen TNT-Sprengstoff entfalten – rund 150 Mal so viel wie die Atombombe in Hiroshima. Doch Nasa-Wissenschaftler beruhigen: Die Einschlagwahrscheinlich liegt bei null.

Darum schaut die europäische Raumfahrt 2013 ganz entspannt in die Sterne: Mit der Raumsonde Gaia, die vermutlich im September starten wird, will die Europäische Raumfahrtagentur Esa eine dreidimensionale Karte unserer Galaxie zeichnen.

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Eine Milliarde Sterne sollen die Instrumente der Sonde erfassen – immerhin ein Prozent der gesamten Sternenzahl in unserem Sternensystem. Es wird nichts weniger als der umfangreichste Zensus der Milchstraße. Zusätzlich kartiert Gaia hunderttausende Planetensysteme, Sterne und Quasare außerhalb unserer Galaxie. Die Daten sollen Aufschluss geben über die Entstehung unserer Galaxie und den Aufbau des Universums.

Der Marsrover Curiosity erhält Unterstützung aus Indien. Quelle: dapd
Der Marsrover Curiosity erhält Unterstützung aus Indien. Quelle: dapd

In die ganz andere Richtung – auf die Erde nämlich – blickt die Esa-Mission Swarm. Drei identische Satelliten wollen die Europäer im April in verschiedene Erdumlaufbahnen aussetzen, von wo aus ihre Instrumente die Stärke, Orientierung und die Veränderung des irdischen Magnetfelds messen sollen, das uns wie ein unsichtbares Schutzschild vor der lebensgefährlichen Strahlung der Sonne abschirmt, dem so genannten Sonnenwind. Die Daten der Mission sollen Aufschluss darüber geben, wie das irdische Magnetfeld entsteht und warum es sich verändert.

Die US-Weltraumbehörde Nasa wiederum erwartet spannende Neuigkeiten vom Mars, wo der Rover Curiosity sich langsam dem Berg Aeolis Mons in der Mitte des Gale-Kraters nähert. Bisher hat das Gefährt erst wenig mehr als 600 Meter zurückgelegt – der Großteil seiner voraussichtlich 5 bis 20 Kilometer langen Reise steht dem Marsauto also noch bevor. Die spannende Frage: Findet Curiosity Hinweise auf Leben auf dem Mars?

Eine ungewöhnlich Auszeit muss die Marsmission Mitte April nehmen: Dann steht der Mars für kurze Zeit von der Erde aus gesehen genau hinter der Sonne und die Funkverbindung ist gestört.

Nasa-Mission Curiosity Imagepflege per Marsroboter

Space-Shuttle-Programm abgesägt, Budget gekürzt: Die Nasa musste in letzter Zeit einige Rückschläge verkraften. Doch dann landet ein Rover auf dem Mars – und poliert das angekratzte Image der US-Weltraumbehörde auf.

Bald darauf bekommt der Nasa-Rover Gesellschaft: Im November startet die indische Weltraum-Forschungsorganisation ISRO eine 500 Kilogramm schwere Sonde namens Mangalyaan, die den Mars im September 2014 erreichen und dort in eine Umlaufbahn einschwenken soll. Mit sieben verschiedenen Messinstrumenten, darunter einem Methansensor, wird der irdische Späher den Mars und seine Atmosphäre analysieren und vermessen.

Es soll der Auftakt eines asiatischen Aufbruchs in Alls sein. Allein Indien plant in diesem Jahr zehn Missionen, vor allem Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten. China wiederum will nicht nur 20 Satelliten in den Erdorbit katapultieren, sondern in der zweiten Jahreshälfte sogar einen Rover auf den Mond schicken: Mit der Mission Chang’e-3 soll erstmals seit 1976 wieder ein Raumschiff sanft auf der Oberfläche des Erdtrabanten landen.

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Mission Curiosity

In einer Ausbuchtung  der Tiefebene Mare Imbrium mit dem romantischen Namen Regenbogenbucht soll ein Roboterfahrzeug Bodenproben nehmen, sie vor Ort analysieren und Live-Videobilder zur Erde senden. Wenn alles gut läuft, fährt das Mini-Fahrzeug mit einer Nutzlast von 20 Kilogramm drei Monate lang durch den lunaren Basalt. Es ist der Start einer chinesischen Mondoffensive: Irgendwann nach 2025 will China sogar Astronauten auf den Erdtrabanten bringen.

Die SpaceX-Raumkapsel Dragon am Roboterarm der Raumstation ISS. Das kalifornische Unternehmen ist derzeit der einzige private Anbieter, der ein Raumschiff ins All bringen kann. Doch das soll sich 2013 ändern. Quelle: NASA
Die SpaceX-Raumkapsel Dragon am Roboterarm der Raumstation ISS. Das kalifornische Unternehmen ist derzeit der einzige private Anbieter, der ein Raumschiff ins All bringen kann. Doch das soll sich 2013 ändern. Quelle: NASA

Nicht ganz so ehrgeizig sind die Pläne der Macher von SpaceX . Das kalifornische Raumfahrtstartup von Paypal- und Tesla-Gründer Elon Musk ist derzeit das einzige private Unternehmen, das ein Raumschiff ins All fliegen und sicher wieder auf der Erde landen kann. Den ersten kommerziellen Flug bewältige SpaceX im vergangenen Mai mit seiner Dragon-Kapsel, die 520 Kilogramm Fracht zur Raumstation ISS brachte.

In diesem Jahr wollen die Amerikaner zwei weitere Versorgungsflüge zur ISS starten. Spannender aber wird der Test der neuen Trägerrakete Falcon Heavy. Diese Fortentwicklung der Rakete Falcon 9, die Space X derzeit zum Flug ins All benutzt, soll 53 Tonnen Last in den Erdorbit transportieren können – fast doppelt so viel, wie die inzwischen eingemotteten Space-Shuttles in den Erdorbit schleppten.

Damit wäre die 70 Meter hohe Falcon Heavy die stärkste Rakete der Welt. In der zweiten Jahreshälfte 2013 soll sie vom US-Luftwaffenstützpunkt Vandenberg aus zu ihrem Jungfernflug  aufbrechen.

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  • 04.01.2013, 20:22 UhrModernArt

    Gute Lobbyarbeit ....

    Aber ... Tiefseetouristik ist auch noch da ... mit maritimen Erlebnissen/Luxus ... fliegenden Ubooten .... tollen Mutterschiffen ... zum Entdecken der Welten des Wasserplanetens Erde im Weltraum der Meere.

    Kein Vergleich zum kurzen Hüpfer in die oberen Luftschichten der Erde. Leider kommt die Tiefssee & Schnelluboote & maritimer Luxus aber viel zu kurz.

    Schade eigentlich.

  • 04.01.2013, 21:11 Uhrdig@central.banktunnel.eu

    http://central.banktunnel.eu/20130104-1325-ecbint-leon.jpg

    WINDOWs PROFESSIONal ...

    http://os-history.de/pics/windows2000/2kproautorun.PNG

  • 04.01.2013, 21:41 Uhropsat

    Ich kann mir nicht helfen, irgendetwas scheint -
    wie schon bei Baumgartner - mit den Bildern "von der Grenze des Weltalls" nicht zu stimmen.
    Die Krümmung der Erdoberfläche ist viel zu stark -
    wurde da nachgeholfen mittels geeigneter Optik um einen
    Ballonflug spektakulärer zu aussehen zu lassen?
    Sieht man nämlich Bilder aus oder von der ISS (die zehnmal höher fliegt) sieht die Krümmung sogar schwächer aus.
    Ist ja auch kein Wunder bei nur 400 km Höhe und 12.000 km Erddurchmesser.

    Weiß jemand wie da getrickst wird oder gibt es eine andere Erklärung?