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Disney Cruise Lines: Ein komfortables Gefängnis

Die Schiffe der Disney Cruise Lines laden Familien zur Entdeckungsreise in eine Märchenwelt ein. In dem schwimmenden 14-stöckigen Erlebnispark ohne Ausgang dominiert die Disney-Ästhetik: Von "Aschenputtel" bis "Findet Nemo" tauchen die Passagiere hier in eine bunte Traumwelt ein.

Zur Jungfernfahrt ein Feuerwerk: Die "Disney Dream" beim Verlassen des Ausrüstungspiers der Meyer-Werft. Quelle: DAPD
Zur Jungfernfahrt ein Feuerwerk: Die "Disney Dream" beim Verlassen des Ausrüstungspiers der Meyer-Werft. Quelle: DAPD

Romantiker werden an die wunderbare Zeit der Schifffahrt denken, an den Mythos der Titanic und die epischen Reisen zwischen neuer und alter Welt. Die Macht und Pracht von Schiffen faszinierte so sehr, dass Kinder hellblaue Matrosenuniformen trugen. Daran erinnert die Disney Dream, die gerade ihre erste Fahrt hinter sich hat. In dem in Deutschland gebauten, kolossalen amerikanischen Schiff, hängt ein Porträt von Walt Disney - im todschicken weißen Anzug, mit Gattin auf dem Deck des italienisches Passagierschiffes Rex.

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Wer an Bord der Disney Cruise Lines kommt, taucht in eine künstliche Vergangenheit ein und soll sich wie ein König fühlen. Dabei ist von der sportlichen Pracht der ursprünglichen Liners nichts zu spüren. Der schwimmende 14-stöckige Plattenbau ist alles, außer dynamisch - keine Concorde, sondern eine A380. Menschen werden komfortabel gefangen gehalten - in einem Erlebnispark ohne Ausgang.

In der Tat beruht das Geschäftsmodell der Disney-Schiffe auf einfacher Marktforschung. Millionen amerikanische Familien, die Florida als Urlaubsziel wählen, verbringen nur eine von zwei Wochen Freizeit in den Disney Parks von Epcot und Walt Disney World, den Rest aber am Strand. Disney kaufte sich daher "Castaway Cay", eine Privatinsel auf Bahamas, baute dort ein paradiesisches Resort und ließ dann als erste "Disney Magic" und "Disney Wonder" bauen, um die Menschen dorthin zu karren.

Optisch mischte bereits Mitte der 90-er Jahre die deutsch-amerikanische frog design mit. Die Erfinder und Vertreter des stilistischen Retrofuturismus prägen bis heute die Schiffe. Markenzeichen ist der pechschwarze Rumpf - ganz im altmodischen Stil der "Queen Mary", den zwei knallrote Kamine krönen. Diese sind überflüssig, bieten aber außergewöhnliche Räumlichkeiten: etwa eine "Outlook Cocktail Lounge" oder den Start der "Aquaduck", einer Wildwasserbahn.

Das Schiff lädt Familien zur Entdeckungsreise in eine Märchenwelt ein. Dem historischen Vorbild getreu, empfängt es seine Gäste mit einer imposanten Halle im Art Deco, den glamourösen, bunt-dekorativen Stil der "Roaring Twenties". Im Saal trifft Kunst Künstliches: Der Kronleuchter ist eine Sonderanfertigung des Glaskünstlers Dale Chihuly. Zwischen Space Odissey, Ur-McDonald?s, Biedermeier und Zen scheint alles möglich. Doch es dominiert die Disney-Ästhetik - von "Aschenputtel" bis "Findet Nemo".

Designt wurde das Schiff, um von Menschenscharen durchströmt zu werden. Den 4 000 Gästen reichen die vier bis sieben Tage Kreuzfahrt kaum aus, um alles zu untersuchen. Der knappen Zeit tragen auch die Zimmer Rechnung. Sie sind mit einem doppelten Badezimmer ausgestattet. Schließlich wird während die Zeit, wo Familienmitglieder auf das Toilette-frei-Zeichen warten, kein Extra-Umsatz erwirtschaftet.

Paolo Tumminelli ist Designprofessor (FH Köln) und Gründer von goodbrands (paolo.t@goodbrands.de)

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