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Fischsaurier: Räuberischer Herrscher der Urzeitmeere

Über acht Meter lang und mit scharfen Reißzähne bewaffnet – so sah der Herrscher der Meere vor über 240 Millionen Jahren aus. Heute verrät er Wissenschaftlern viel über die Ökosysteme seiner Zeit.

Die Illustration zeigt den Fischsaurier Thalattoarchon saurophagis bei der Jagd. Quelle: dpa
Die Illustration zeigt den Fischsaurier Thalattoarchon saurophagis bei der Jagd. Quelle: dpa

BonnWie ein Monster der Meere wirkt der Fischsaurier Thalattoarchon saurophagis auf heutige Betrachter. Der mehr als acht Meter lange Meeresräuber ließ selbst den größten Meerestieren seiner Zeit keine Chance. Doch inzwischen hat er seinen Schrecken längst verloren.

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Heute können Forscher wie der Bonner Paläontologe Martin Sander aus den fossilen Überresten des Fischsauriers viel über die Ökosysteme seiner Zeit erfahren. „Der Top-Räuber zeigt uns, dass schon vor 244 Millionen Jahren die Ökosysteme so funktioniert haben wie heute“, so Sander.

Fischsaurier

  • Welche Ursprünge haben Fischsaurier?

    Vor 250 Millionen Jahren gingen Echsen ins Wasser und entwickelten sich zu Fischsauriern. Viel später eroberten auch hundeartige Wesen den Lebensraum Wasser und wurden zu Walen. Diese wären gar nicht entstanden, wenn nicht zuvor - etwa vor 100 Millionen Jahren - die als „moderne Fischsaurier“ geltenden Meeresechsen ausgestorben wären. Denn die Fischsaurier hatten die biologischen Nischen besetzt, die später die Wale nutzten.

  • Wie sahen Fischsaurier aus?

    Die Tiere ähnelten den heutigen Delfinen, hatten glatte Haut, eine Rücken- und eine Schwanzflosse. Letztere war allerdings wie beim Hai senkrecht gestellt. In Kanada gefundene Exemplare wurden mehr als 20 Meter lang. Die Ichthyosaurier lebten im Salzwasser möglicherweise wie Delfine in Schulen zusammen. Vor wenigen Jahren fanden Forscher durch Untersuchungen von Zähnen und Zahnschmelz heraus, dass Fischsaurier warmblütig waren, also im Unterschied zu den heutigen kaltblütigen Reptilien eine Körpertemperatur zwischen 35 und 38 Grad aufwiesen.

  • Wie pflanzten sich Fischsaurier fort?

    Zwar legen die meisten Reptilien Eier, doch gibt es auch lebendgebärende, zu denen die Fischsaurier gehörten. Das Männchen befruchtete die Eier im Körper des Weibchens, aus denen in der Regel ein bis zwei Babys schlüpften. Sie hatten bereits ein vollständig entwickeltes Gebiss und mussten sich vom ersten Tag an selbst ernähren.

  • Wann verschwanden die Fischsaurier?

    Die Fischsaurier-Zeit endete vor rund 93 Millionen Jahren. Die Gründe sind unklar. Denn sie verschwanden auch vor den Dinosauriern von der Erdoberfläche, für deren Aussterben zumindest verschiedene Theorien wie ein Meteoriteneinschlag oder eine Klimaabkühlung kursieren. Während die Dinosaurier in den Vögeln weiterleben, gibt es keine Nachfahren der Meeresechsen. Ihre biologische Nische wurde später von den Mosarsauriern besetzt, einer Art großer Wasserschlangen. Diese starben mit den Dinosauriern vor 65 Millionen Jahren aus.

Der Meeresherrscher sei nur acht Millionen Jahre nach einer globalen Katastrophe aufgetaucht, bei der ein Großteil des Lebens an Land und in den Ozeanen ausgelöscht wurde. „Es ist überraschend, wie schnell sich die Lebenswelt von der globalen Katastrophe erholt hat“, so Sander. Der Forscher hat in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals „PNAS“ eine Studie über den „saurierfressenden Meeresherrscher“ – so die Übersetzung von Thalattoarchon saurophagis – veröffentlicht.

Urzeitwesen

Sander hatte das Fossil schon 1998 in den abgelegenen Augusta Mountains in Nevada entdeckt wurde. „Es war sofort klar, dass es sich um einen Ichthyosaurier – also einen Fischsaurier – handeln musste“, so Sander.