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Hirnforschung: Im Schlaf erwacht

Klarträume gehören zu den intensivsten Erlebnissen unserer Psyche. Doch was geschieht im Gehirn, wenn ein Schläfer sich bewusst wird, dass er in einem Traum ist? Wissenschaftlern ist es jetzt gelungen, die entscheidende Phase der Hirnaktivität zu erkunden.

In Klarträumen lässt sich die eigene Umwelt nach Belieben manipulieren. Quelle: dpa
In Klarträumen lässt sich die eigene Umwelt nach Belieben manipulieren. Quelle: dpa

HEIDELBERG. Beherrscht man es richtig, ist es eine hyperrealistische Cyberspace-Erfahrung, nur den Grenzen der eigenen Fantasie unterworfen, steuerbar allein durch die Kraft der Gedanken. Das jedenfalls berichten die Glücklichen, die es geschafft haben, mitten in einem Traum „luzid“ zu werden. Sie haben gelernt, sich klar zu machen, dass sie nur träumen - und übernehmen nun selbst die Kontrolle, manipulieren ihre Umgebung nach Laune und erleben diese, so heißt es wenigstens, farbenprächtiger und intensiver als im Wachzustand.

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Die Probanden von Ursula Voss, derzeit an der Universität Bonn, haben - unter Anleitung des Wissenschaftlerteams - gelernt, diesen Zustand zu erreichen. Jetzt revanchierten sie sich, indem sie sich im Schlaflabor als Versuchskaninchen zur Verfügung stellten. Mittels EEG wollten die Forscher den Änderungen nachspüren, die der Wechsel in das bewusste Traumerleben nach sich zieht.

Dabei muss es für die Forscher nicht eben aufregend zugegangen sein. Den Großteil der Zeit verzeichneten sie lediglich die typischen Hirnstromkurven selig schlummernder Versuchspersonen. Während der REM-Schlafphase, die als die produktivste für Träumereien gilt und in denen vermutlich auch Klarträume einsetzen, dämmerte deren Hirn in niedrigen Frequenzbereichen vor sich hin.

Dann aber - insgesamt dreimal bei sechs Probanden - erzielten die Wissenschaftler einen Volltreffer: Die Schläfer ließen ihre Augen nach rechts und links wandern, folgten dabei einem Muster, das sie mit den Wissenschaftlern vorher ausgemacht hatten. Es sollte signalisieren: „Ich bin im Klartraum!“ Frühere Experimentatoren hatten diese Technik bereits angewandt. Sie funktioniert, weil der luzide Träumer Kontrolle über seine Augenmuskulatur erlangt und weil deren Zuckungen bei EEG-Messungen ohnehin mit Elektroden erfasst werden.

Während dieser Phasen konnten die Forscher beobachten, wie das Hirn der Probanden bei rund 40 Hertz ein gänzlich anderes Verhalten zeigte: Hier war an den Kurven derselbe Ausschlag ablesbar, den Menschen zeigen, die wach sind und mit geschlossenen Augen daliegen. Bei unbewussten Träumern bleibt die Kurve hingegen monoton. Nur in dieser so genannten Gamma-Band-Aktivität unterschieden sich die Klartraumphasen von den herkömmlichen REM-Phasen.

Obwohl die Beweiskraft der Untersuchung mit ihren drei Messungen nicht eben weltbewegend ist, sind die Forscher überzeugt, keinem Artefakt aufgesessen zu sein: Dass gerade dieser Frequenzbereich so heraussticht, komme nämlich nicht von ungefähr. Aus einem hohen Anteil von Gamma-Wellen in der Gesamtaktivität kann man bei wachen Versuchspersonen ableiten, dass bewusst ablaufende, höhere kognitive Prozesse im Gang sind. Möglicherweise kommunizieren dann Gehirnareale verstärkt miteinander und synchronisieren ihre Prozesse mit einem Signalstakkato, dessen Taktrate diesen Wellenlängen entspricht.

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