Mit Hirn-Doping in die schöne neue Welt

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Doch statt existenziellen Fragen auf den Grund zu gehen, präsentieren Galert und seine Mitautoren einen erschreckend naiven Menschenverbesserungsglauben, den man nicht mehr für möglich gehalten hat. Das „Überschreiten der menschlichen Natur“ sei „nicht sakrosankt“, da wir ja ohnehin die Natur um uns herum dauernd verändern. Als kämen sie direkt aus Huxleys „Schöner neuer Welt“, schwärmen die Autoren unverhohlen von dem „Potenzial von Neuro-Enhancement-Präparaten, unsere Lebensfreude oder unser Mitgefühl zu fördern“. Was für ein Mitgefühl das sein kann, das man in der Apotheke kaufen kann, darüber machen sich die Autoren keine Gedanken.

Bedenken jeglicher Art, etwa wegen Persönlichkeitsstörungen, wischen sie beiseite. Schließlich gebe es auch positive Persönlichkeitsveränderungen und überhaupt: „Befürchtungen gegenüber der Nutzung von Neuro-Enhancement-Präparaten basieren oft auf einem negativen Menschenbild.“ Das Menschenbild der Autoren lässt sich vage erahnen, wenn man Sätze wie diesen liest: „Der melancholische Dichter kann doch ruhig einmal ausprobieren, wie es wäre, weniger schwermütig zu sein. Sollte seine Kreativität darunter leiden und er diesen Verlust durch den Zugewinn an Lebensfreude nicht kompensiert finden, kann er das Neuro-Enhancement-Präparat absetzen (und vielleicht ein wunderbares Gedicht über den hinter ihm liegenden Zustand der Selbstentfremdung schreiben).“

Sorgen machen sich die Ethiker nicht über die Seelen der Menschen, sondern über die „Verteilungsgerechtigkeit“. Hirn-Doping für alle! Der Staat solle daher – wiederum ganz wie in Huxleys Roman – auch ärmeren Bürgern den Zugang zu Hirn-Doping ermöglichen, denn die „allgemeine Anhebung des geistigen Niveaus“ habe schließlich einen „Nutzen für die gesamte Gesellschaft“.

Sollen wir uns wirklich kollektiv in eine schöne neue Wissensgesellschaft dopen? Der Verzicht auf die Droge wäre dann das letzte große Abenteuer: Schmerzen, Melancholie, Liebe, Hass und die Erkenntnis der eigenen Grenzen. Was für ein Trip!

  • 04.05.2012, 05:54 UhrAnonymer Benutzer: RBoeck

    Tatsächlich ist die Pharmaindustrie (in Zusammenarbeit mit der Psychiatrie) der größte Drogendealer der Welt. Deren Medikamente machen ebenso abhängig und sind teilweise noch schädlicher als die bekannten Straßendrogen. Also: FINGER WEG !!!
    (Drogen-)Abhängigkeit ist auch keine „unheilbare Krankheit“. ABER die Menschen müssen vor Drogen geschützt werden. Drogen ist mit das größte Problem unserer heutigen Gesellschaft und der einzige Weg dem entgegen zu wirken ist Aufklärung und Prävention.
    Informiert Euch, Eure Familie, Freunde und Bekannten!
    Die von der Scientology Kirche gesponserte Kampagne „Sag NEIN zu Drogen – Sag JA zum Leben“ bietet ausgezeichnetes Info-Material kostenlos an. Ich benutzte die Fakten sehr oft um Menschen zu helfen.

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