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Historische Himmelskörper: „Das ist heute wie auf der Schießbahn“

Zwei Ereignisse, beide historisch. Eines endete tragisch, das andere ließ Forscher-Herzen höher schlagen: Erst schlug ein Meteorit ein, dann raste ein Asteroid so dicht an der Erde vorbei wie keiner zuvor.

„2012 DA14“ nähert sich der Erde auf rund 27.500 Kilometer. Quelle: dpa
„2012 DA14“ nähert sich der Erde auf rund 27.500 Kilometer. Quelle: dpa

DarmstadtIn einem kaum glaublichen Zufall haben am Freitag gleich zwei Himmelskörper auf der Erde Aufsehen erregt und Geschichte geschrieben. In Russland stürzte ein Meteorit in der abgelegenen Region Tscheljabinsk ab und verletzte etwa 1200 Menschen, einige schwer.

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Nie zuvor in der Geschichte der Menschheit wurde ein so folgenschwerer Einschlag eines Meteoriten dokumentiert. Nur Stunden später raste ein Asteroid in der Rekordnähe von nur 27 800 Kilometern an der Erde vorbei - viele Satelliten fliegen höher.

Bei dem spektakulären Absturz am russischen Uralgebirge waren unter den rund 1200 Verletzten mehr als 200 Kinder. Die meisten Menschen wurden durch Glasscherben geschnitten. Die Explosion des tonnenschweren Himmelskörpers verursachte eine Druckwelle, die in der etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Region Tscheljabinsk erhebliche Verwüstungen anrichtete. Mehr als 40 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Meteoriten-Einschlag Meteorit geht im Ural nieder

In Russland sind bei einem Meteoriteneinschlag mehr als 700 Menschen verletzt worden.

Der Meteorit war etliche Tonnen schwer. Er raste mit extrem hoher Geschwindigkeit Richtung Erde. Nach Eintritt in die Atmosphäre dürfte das kosmische Geschoss mit einer gewaltigen Druckwelle explodiert sein. Atomanlagen in der Gegend seien aber nicht betroffen, hieß es.

Der Meteorit hatte aber nichts mit „2012 DA14“ zu tun. Der Asteroid kam der Erde zwar so nahe wie noch nie ein vorhergesagter Himmelskörper zuvor. Experten beruhigten jedoch: „Kein Grund zur Sorge“, sagte Nasa-Experte Dante Lauretta, der Asteroid bleibe in sicherer Entfernung.

Fragen und Antworten zu „2012 DA14“

  • Wird „2012 DA14“ die Erde wirklich nicht treffen?

    Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa sagen dazu ganz klar: Nein. „Wir können sicher sagen, dass er nicht näher als 27.500 Kilometer an die Erde herankommen und sie nicht berühren wird“, hat beispielsweise Nasa-Manager Donald Yeomans erklärt.

  • Besteht denn sonst irgendeine Gefahr?

    Möglicherweise für Satelliten, sagen die Experten. Der Asteroid fliegt nämlich so nah an der Erde vorbei, dass er auch die Bahn zahlreicher Kommunikations- und Erdbeobachtungssatelliten kreuzen wird. Eine Kollision mit einem Satelliten sei allerdings „extrem unwahrscheinlich“, sagte Yeomans. Vorsichtshalber arbeitet die Nasa aber trotzdem mit Satellitenbetreibern zusammen und informiert sie über die berechnete Flugbahn von „2012 DA14“.

  • Woher wissen die Forscher das alles so genau?

    Weil sie den Asteroiden und seine Umlaufbahn seit fast einem Jahr analysieren. Am 23. Februar 2012 ist „2012 DA14“ von Forschern in einem Observatorium im spanischen Andalusien entdeckt worden. Damals war er noch mehr als vier Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Wie jede solche Beobachtung wurde auch diese dann an das Nasa-Beobachtungsprogramm für erdnahe Objekte in Kalifornien gemeldet. Die Wissenschaftler dort haben inzwischen rund 15 Jahre Erfahrung mit der Erforschung von Asteroiden und haben „2012 DA14“ seit dem Tag seiner Entdeckung auf das Genaueste beobachtet.

  • Ist es denn wirklich so selten, dass ein Asteroid so nah an der Erde vorbeifliegt?

    Das kommt auf die Größe des Asteroiden an. Kleinere Himmelskörper fliegen ständig noch viel näher an die Erde heran - nach Nasa-Schätzungen insgesamt bis zu 100 Tonnen Material pro Tag. Aber einer von der Größe von „2012 DA14“ kommt statistisch gesehen nur alle 40 Jahre so nah und trifft die Erde - ebenfalls statistisch gesehen - nur einmal alle 1200 Jahre.

  • Was haben die Forscher denn noch alles über den Asteroiden herausgefunden?

    Die Nasa sagt voraus, dass die Rekordannäherung am Freitag um 20.25 Uhr deutscher Zeit stattfinden wird. Am nächsten kommt der Asteroid der Erde über der zu Indonesien gehörenden Insel Sumatra im östlichen Indischen Ozean. „2012 DA14“ hat nach jüngsten Berechnungen der Europäischen Weltraumagentur Esa einen Durchmesser von 65 Metern und eine Masse von etwa 400 000 Tonnen. An der Erde wird er mit rasanten etwa acht Kilometern pro Sekunde vorbeifliegen. All diese Zahlen sind jedoch noch nicht ganz fix, denn je näher der Asteroid der Erde kommt, desto mehr und desto genauere Beobachtungen können die Forscher machen. Die Daten könnten sich bis zum Vorbeiflug also noch leicht verändern, sagt Nasa-Sprecher Dwayne Brown. „Erst danach haben wir die exakten Daten.“

  • Und was haben die Forscher noch nicht herausgefunden?

    Ebenfalls eine ganze Menge. Sie wissen zum Beispiel nicht, woraus der Asteroid besteht. Aber gerade deswegen kommt ihnen der Vorbeiflug ja auch so gelegen - er liefert nämlich unendlich viele wertvolle Daten. Ein Forscherteam beschäftigt sich beispielsweise ausschließlich mit der Drehung. Mit neuster Technik wollen die Wissenschaftler herausfinden, in welche Richtung „2012 DA14“ wirbelt.

  • Kann der Vorbeiflug beobachtet werden?

    Ja in Europa, Asien und Australien - vorausgesetzt man befindet sich währenddessen gerade unter klarem Nachthimmel und hat ein sehr gutes Fernglas. Dann ist „2012 DA14“ als kleiner Punkt zu erkennen, der von Süden nach Norden zieht.

Und trotzdem waren die 27 800 Kilometer Abstand am erdnächsten Punkt fast so etwas wie ein kosmischer Streifschuss. Die geostationären Satelliten, die zum Beispiel Telefongespräche oder Fernsehen übertragen, sind deutlich weiter weg. Der Mond ist sogar rund 15 Mal so weit entfernt wie „2012 DA14“ es am Freitagabend war.

Zudem war der Asteroid 28 600 Kilometer in der Stunde schnell - fast fünfmal so schnell wie eine Panzergranate. Hätte dieses kosmische Wuchtgeschoss von nach Nasa-Angaben 45 Metern Breite und 130 000 Tonnen Gewicht tatsächlich die Erde getroffen, wären die Folgen verheerend gewesen.

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