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Interview: „Die Entwicklung in China ist beeindruckend“

Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, spricht im Interview mit Handelsblatt Online über Chinas Vorreiterrolle in der Elektromobilität – und darüber, wie Deutschland dem Innovationstempo in Fernost begegnen sollte.

Sieht Deutschland in Sachen Elektromobilität gut gerüstet: Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Quelle: dpa
Sieht Deutschland in Sachen Elektromobilität gut gerüstet: Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Quelle: dpa

Alle reden vom Elektroauto, dabei hat die eigentliche Revolution in Sachen Elektromobilität längst stattgefunden – auf dem Zweiradmarkt. China ist auf dem besten Weg, sich hier einen entscheidenden Vorsprung zu sichern: Allein über Pekings Straßen rollen mittlerweile hunderttausende E-Bikes – der ganz überwiegende Teil aus heimischer Produktion. Können die Europäer da noch mithalten?

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Die Entwicklung in China ist schon beeindruckend. Man muss aber etwas genauer hinsehen, was denn dort auf den Strassen rollt. Da ist einiges dabei, das mehr unter dem Begriff "motorisierte Gehhilfe" laufen müsste als unter Elektrorad wie wir es kennen. Viele der E-Bikes oder E-Roller sind mit einfacher Technik zusammengebaut und ausgestattet.

Die meisten dieser Gefährte wären für den deutschen oder europäischen Markt nicht einsetzbar, da die Ansprüche hier ganz andere sind. Hier geht es nicht nur um erleichterte Fortbewegung, sondern auch um Sicherheits- und Komfortaspekte, die in China eine nachrangige Rolle spielen.

Worin liegt der Vorteil der Chinesen in Sachen Elektromobilität?

Der Vorteil der Chinesen ist sicherlich, dass sich eine große Anzahl von Ingenieuren an Universitäten und Forschungslaboren von Unternehmen gleichzeitig mit dem Thema befasst. Hinzu kommt, dass Aspekte wie Sicherheit und Recycling, die in Europa wesentlich sind, nicht so sehr ins Gewicht fallen. Und nicht zuletzt ist China reich an Rohstoffen, die für die Elektroroller und-Fahrräder benötigt werden.

Was müsste Europa, was müsste Deutschland tun, um dem Innovationstempo in Fernost gewachsen zu bleiben?

Es müsste gelingen, den systemischen Ansatz, der hier verfolgt wird, zügig umzusetzen. Es mag so aussehen als wären wir langsam, aber unser Anspruch ist nicht nur ein Produkt auf den Markt zu bringen, sondern gleich auch Aspekte wie Energieeffizienz von der Produktion bis zum Betrieb mit zu denken.

Wichtig ist uns auch, dass die Fahrzeuge sauberen Strom nutzen, aus regenerativen Energien. Ebenso wie das Thema Recycling: Was geschieht mit den Batterien oder Speichern, wenn die Fahrzeuge ausgemustert werden? Gibt es Möglichkeiten für weitere Nutzung? All diese Fragen sind ja nicht nachrangig, sondern müssen von vornherein mit gelöst sein.

Sehen Sie Anzeichen dafür, dass Deutschland für diesen Wettbewerb gerüstet ist?

Deutschland ist gar nicht so schlecht aufgestellt. Wir haben exzellentes Know-how in Sachen Antriebe und Elektromotoren. Außerdem verfügen wir über die Marktkenntnisse, denn Fahrzeuge für Europa werden sicherlich anders aussehen und andere Bedürfnisse erfüllen als die für den asiatischen Markt.

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