Forschung + Innovation

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Interview mit Erfinder Martin Schadt: „Man kann nicht immer nur nehmen“

Der Schweizer Physiker Martin Schadt erhielt den Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Lebenswerk. Handelsblatt Online sprach mit ihm am Rande der Preisverleihung.

Martin Schadt: „Mit diesem Preis wird nun auch in Europa gezeigt, dass Europäer gute Arbeit machen“. Quelle: PR
Martin Schadt: „Mit diesem Preis wird nun auch in Europa gezeigt, dass Europäer gute Arbeit machen“. Quelle: PR

Für seine Entwicklung der Flüssigkristall-Technologie, die millionenfach in den Displays moderner Mobilgeräte und LCD-Fernseher zum Einsatz kommt, ist der Schweizer Physiker Martin Schadt mit dem Europäischen Erfinderpreis in der Kategorie Lebenswerk ausgezeichnet worden.

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Handelsblatt Online: Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Martin Schadt: Ich bin natürlich sehr stolz. Die meisten Preise, die ich bisher erhalten habe, stammten aus Nordamerika. Umso mehr freut es mich, dass mit diesem Preis nun auch hier in Europa gezeigt wird, dass Europäer gute Arbeit machen.

Fakt ist aber, dass bei der industriellen Umsetzung Ihrer Forschung eigentlich  Japan das Maß aller Dinge ist.

In der Tat begegneten viele Kollegen meinem Forschungsgebiet lange  mit extremer Skepsis. Organische Materialien in elektronischen Bauteilen – das war für viele Ingenieure undenkbar.  Das Vorurteil lautete: Organische Materialien sind instabil. Das stimmt auch, wenn man die falschen Moleküle nimmt – aber das stimmt natürlich nicht generell. Die Japaner haben das am schnellsten erkannt.

In Europa und den USA hat man dagegen  lange gezögert, und so sind viele technologische Entdeckungen, die auch hierzulande hätten gemacht werden können, unterblieben. Später hieß es dann immer: Ja, die Japaner können das eben besser.

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Wie sind Sie zu einem seinerzeit noch so exotischen Forschungsgebiet gekommen?

Nur auf einem einzelnen, fest eingefahrenen Gebiet zu arbeiten – das war mir schon immer zu langweilig, ich wollte interdisziplinär arbeiten. Und diese Chance bot sich mir, als Roche die Flüssigkristall-Technologie intensiver erforschen wollte. Ich konnte dort sehr frei forschen und fand es als Physiker faszinierend, mit Chemikern zusammen Materialentwicklung machen zu können.

Wie viel Martin Schadt steckt noch in den Displays moderner Smartphones, Tablets und LCD-Fernseher?

Die modernen Displays sind natürlich um vieles komplizierter geworden. Wenn Sie einen heutigen LCD- Fernseher auseinandernehmen, ist das eine extrem komplexe Optik. Dass der von mir entwickelte Grundeffekt sich so weiterentwickelt hat, ist das Verdienst von sehr vielen Leuten weltweit. Und wir haben das Ende der technologischen Entwicklung längst noch nicht erreicht.

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