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Kannibalismus: Jagdbeute Nachbarskinder

Urzeitliche Menschenjagd: Um an Fleisch zu kommen, stellten spanische Neandertaler-Vorfahren offenbar gezielt den Kindern ihrer Nachbarn nach. Ein Verhalten, das auch heutige Menschenaffen zeigen.

Rekonstruktion eines Schädels vom Homo antecessor im archäologischen Museum von Katalonien (Barcelona). Quelle: Wikipedia Public Domain
Rekonstruktion eines Schädels vom Homo antecessor im archäologischen Museum von Katalonien (Barcelona). Quelle: Wikipedia Public Domain

HeidelbergGrausige Ernährungsgewohnheiten sind es, zumindest aus heutiger Sicht, die Forscher um Palmira Saladié einer Gruppe von Frühmenschen attestieren: Offenbar haben die Bewohner der Höhle Gran Dolina im Norden Spaniens gezielt auf die Kinder benachbarter Gruppen Jagd gemacht, um sie anschließend zu verspeisen. Darin seien sie heutigen Schimpansen nicht unähnlich, so die Wissenschaftler.

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Die rund 800.000 Jahre alten menschlichen Überreste in der Höhle der Sierra de Atapuerca gehören zu einer noch sehr archaischen Art von Neandertaler-Vorfahren, die die spanischen Wissenschaftler als Homo antecessor bezeichnen. Seit Langem sind die Schnittmarken an den Menschenknochen im ehemaligen Wohnbereich der Höhle bekannt – sie gelten als relativ eindeutige Anzeichen von Kannibalismus, denn sie entstehen, wenn der Körper mit Hilfe von Feuersteinwerkzeugen ausgeweidet und zerlegt wird.

Nun hat das Team um die Forscherin vom Institut Català de Paleoecologia Humana i Evolució Social in Tarragona gezielt danach geforscht, ob sich aus den Fundumständen genauere Rückschlüsse auf die damaligen Praktiken ziehen lassen.

Laut den Wissenschaftlern deutet nichts darauf hin, dass mit dem Verspeisen von Artgenossen irgendeine Form von Ritual verbunden war, wie es bei modernen Menschen bis in die Neuzeit zum Beispiel als Bestattungsbrauch der Fall war. Stattdessen ernährten sich die Bewohner der Höhle offenbar von den eigenen Artgenossen, wenn sie die Gelegenheit dazu hatten: Die Schnitt- und Bruchmarken lagen an genau denselben Stellen, an denen sie auch bei den vielen Hirschknochen zu finden sind.

Evolution des Menschen

Die Knochen von elf Individuen waren unter Küchenabfällen verstreut, und es gab keinerlei Anzeichen, dass bestimmte Körperteile ausgespart worden waren. Letzteres findet man vor allem dann, wenn Menschen aus einer Notsituation heraus widerwillig Menschenfleisch verzehren.

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