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Landwirtschaft: Wenn der Mähdrescher mit GPS fährt

Elektronik auf dem Traktor spart Zeit und Kosten. Hersteller wie Claas rüsten ihre Landmaschinen mit High-Tech-Systemen wie GPS-gestützter Lenktechnik oder dreidimensionaler Bildverarbeitung aus. Sie sollen die Landwirtschaft wesentlich produktiver machen. Teil sieben der Serie zur Zukunft der Industrie.

Claas Mähdrescher des Typs Mega 360 im Einsatz. Quelle: dpa
Claas Mähdrescher des Typs Mega 360 im Einsatz. Quelle: dpa

GÜTERSLOH. Vorbei die Zeiten, da der Bauer den ganzen langen Arbeitstag auf seinem Trecker saß und in schwierigem Gelände mühsam versuchte, gerade Furchen auf seinem Acker zu pflügen oder mit dem Mähdrescher die Felder gleichmäßig und sauber zu bearbeiten. Heute regiert die Elektronik auch auf dem Traktor. Sie spart Zeit und Kosten und erleichtert die Steuerung ganzer landwirtschaftlicher Flotten. Der Landmaschinenhersteller Claas aus Harsewinkel in Ostwestfalen hat seine Zukunftstechnologie in der Claas Agrosystems in Gütersloh gebündelt. Hier riecht es nicht nach Schmieröl oder Ackerkrumen, hier dominieren Computer und Bildschirme. "Precision Farming", "automatisches Lenken" und "Telematics" heißen die Zauberworte, mit denen die rund 100 Claas-Spezialisten an der Landtechnik der Zukunft basteln.

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"Automatisches Lenken der Maschinen auf dem Acker bringt bis zu sieben Prozent Ersparnis an Zeit und Betriebsmitteln", erläutert Jens Möller, Geschäftsführer von Claas Agrosystems. Die Elektronik führt die Maschinen auf der richtigen Spur und vermeidet Überlappungen oder Auslassen von Ackerflächen. Dünger und Pflanzenschutzmittel werden nur so stark eingesetzt wie nötig.

Einzug gehalten hat die neue Technik bei Claas bereits 1977, mit einem Autopiloten für die Maisernte, der mit mechanischen Sensoren die Pflanzenreihen abtastet. Noch genauer geht es mit einem Piloten, der per Laserstrahl Mähdrescher oder andere Landmaschinen genau an der zu bearbeitenden Kante entlangführt. Seit einigen Jahren nutzt Claas GPS-Systeme, wie sie aus den Navigationssystemen im Auto bekannt sind - nur wirkt das GPS-Signal direkt auf die Lenkung. So fährt die Landmaschine mit einer Präzision von zwei bis drei Zentimetern. Dafür nutzt Claas zusätzlich ein Korrektursignal, das ein mobiles, auf dem Feld stationiertes Gerät erzeugt, um Abweichungen vom richtigen Pfad zu erkennen.

Noch präziser wird die Feldarbeit, wenn der Fahrer dreidimensionale Bildverarbeitung einsetzt. Dann kann er auf GPS verzichten. Die Kamera erkennt die Struktur des Feldes, kann an Hindernissen wie Bäumen vorbeilenken oder die Bearbeitung von Feldreihen noch genauer lenken. Theoretisch könnte der Fahrer sich in den Liegestuhl legen und die Maschinen automatisch von 3D-Kameras gesteuert fahren lassen. "Doch das ist nicht erlaubt", betont Möller. Der Fahrer soll nur entlastet werden.

Einige elektronische Hilfen sind schon länger auf dem Markt und werden auch von anderen Landmaschinenherstellern wie Fendt oder John Deere angeboten. Die Ergänzung der Satellitentechnik durch ein mobiles Korrekturgerät auf dem Feld und den Einsatz der Kamera bietet aber nur Claas an. Die Ostwestfalen haben dazu Ende 2006 die dänische Firma Ecodan gekauft und damit Zugang zu dieser Technologie erhalten.

Der Landmaschinenkonzern John Deere hat zudem ein spezielles Lenksystem entwickelt, das die Elektronik direkt auf das Lenkrad der Maschine wirken lässt. "Dieses Itec genannte System ist besonders für Großtraktoren geeignet, das bieten nur wir an", sagt Thomas Engel, Geschäftsführer von John Deere AMS Europa. Der US-Konzern setzt im Gegensatz zu Claas eine eigene GPS-Entwicklung ein, während andere mit externen Anbietern wie Trimbel zusammenarbeiten. Dazu hatte John Deere Ende der 90er-Jahre die Firma Navcom in Kalifornien gekauft. Die Amerikaner unterhalten ein eigenes Netzwerk, das die Daten der GPS-Satelliten mit den eigenen abgleicht und so eine noch genauere Positionierung erlaubt.

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