
MÜNCHEN. London anno 1720 - in jedem vierten Haushalt köcheln die Gin-Kessel. Fünf Gesetze sind nötig, um dem überbordenden Schnapskonsum und seinen unschönen Begleiterscheinungen auf den Straßen Herr zu werden.
München im Jahr 2009 - von Londoner Verhältnissen ist man weit entfernt. Und doch: Durch einen Hinterhof der Maxvorstadt ziehen feinaromatische Duftschwaden. An einem blanken Kupferkessel machen sich Maximilian Schauerte und Daniel Schönecker zu schaffen, zwei junge Historiker. Die 30-Jährigen haben sich mitten im Studentenviertel dem Brennen des klaren Wacholderschnapses verschrieben. Nur ein schlichtes Klingelschild zwischen Friseur und China-Restaurant deutet darauf hin.
"The Duke Munich Dry Gin" ist in kurzer Zeit zum Geheimtipp geworden: Nicht nur Bar-Legende Charles Schumann schenkt ihn aus. Auch Feinkost Käfer verkauft ihn und der Kaufhof hat ihn diese Woche bundesweit ins Programm genommen. Mit einem Preis von knapp 30 Euro haben sich die Münchener Brenner selbstbewusst ins gehobene Preissegment gesetzt. Der Gin macht seinem Namen alle Ehre: Der "Duke" steht für Herzog Heinrich den Löwen - das ist kein Geringerer als der Gründer der Stadt München.
Hochprozentiges haben die beiden Unternehmer schon in ihrer Schwabinger Studentenküche produziert - "damals nur für den Heimgebrauch, juristisch vielleicht nicht ganz sauber", sagt Schönecker. Ein Hobby, "oft mit mehr Leidenschaft betrieben als das Studium", gibt Maximilian Schauerte zu. Sie lasen sich ins Thema ein, besuchten Brennereien. "Und ab und zu haben wir eben in der Küche auch was destilliert", sagt Schönecker. Mal Bierbrand, mal billigen Wein - "rein spaßmäßig".