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Made in Germany: Tierisch inspiriert

Mit Biologie haben Ingenieure selten etwas am Hut. Andreas Karguth schon. Der Techniker aus Ilmenau baut Roboter. Die Vorbilder findet er in der Natur. Mit seiner Roboter-Ratte will der Wissenschaftler den Markt für Inspektionsroboter aufmischen.

von Dietrich von Richthofen
Schau mir in die Augen: Das Vorbild für Karguths Roboter ist eine Ratte. Foto: dpa Quelle: dpa
Schau mir in die Augen: Das Vorbild für Karguths Roboter ist eine Ratte. Foto: dpa Quelle: dpa

Mit den Vorderpfoten festkrallen, Hinterpfoten nachziehen, hochstemmen. Eine Ratte klettert flink das Abwasserrohr hoch – mitten in der Werkstatt der Ilmenauer Firma Tetra. „Die Biologen nennen das Stemmklettern“, sagt Andreas Karguth und pflückt die Ratte behutsam vom Plastikrohr. Ekel vor dem Nagetier? Nicht nötig. Schließlich ist es aus Aluminium. Es handelt sich um den Prototypen eines Kletterroboters, inspiriert von echten Ratten. Mit dem Elektrotier will der 49-jährige Geschäftsführer schon bald den Markt der Inspektionsroboter aufmischen.

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Roboter, die ebene Gänge und Kanäle inspizieren, gibt es einige. Doch Kletterkünstler für senkrechte Schächte sucht man bisher vergebens. Der „Ratnic“ – so taufte Karguth seinen Bio-Roboter – soll steile Rohre und Kabel erklimmen – genau wie das übel beleumundete Original. „Ratnic soll dort zum Einsatz kommen, wo Menschen nicht hinkommen.“ Ausgestattet mit Kameras und Feuchtigkeits- oder Gassensoren könne die Inspektionsratte Kabel oder Gasleitungen prüfen. Damit würde der thüringische Ingenieur in eine Marktnische mit großem Potenzial stoßen.

Die Nachfrage nach Service-Robotern steigt kräftig, konstatiert der Fachverband International Federation of Robotics in Frankfurt. „Das ist ein Sechser im Lotto“, glaubt Karguth. Seine Visitenkarte hat er jedenfalls schon mal ins Japanische übersetzen lassen – dort spielt die Musik in Sachen Robotik.

Für den Familienvater, der in Gotha aufwuchs, schließt sich mit dem Projekt ein Kreis: „Es war schon immer mein Traum, einen eigenen Roboter zu bauen“, sagt er. Schon im Studium faszinierte ihn die Robotik, er promovierte über Steueralgorithmen für Industrieroboter. „Es ging darum, mit intelligenter Software die größtmögliche Präzision und Schnelligkeit aus den Robotern herauszukitzeln.“ Eigentlich sollten seine Ergebnisse in DDR-Robotern zur Anwendung kommen. Aber die Wende macht dem jungen Absolventen einen Strich durch die Rechnung. Mit dem Bau des Rattenroboters kann Karguth praktisch nahtlos an das Thema anknüpfen.

Rein äußerlich gibt Karguth den klassischen Ingenieur: Kariertes Hemd, akkurat gescheiteltes Haar, den Schnauzer sauber gestutzt. Der Mann wirkt, als würde er lieber ungestört basteln, nur leider muss er ja nebenbei noch sein Unternehmen führen. Ja, ein bisschen sei das auch so, gibt Karguth unumwunden zu. „Schon als kleiner Junge habe ich alles auseinander genommen, was mir in die Quere kam“, erzählt er. Als Jugendlicher frönt er seinem Hobby in der „AG Unterhaltungselektronik“ und bastelt für Diskos und Bands in Gotha die Soundtechnik. Später entdeckt er sein Faible für Modellflugzeuge.

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