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Meteorologe erklärt: Warum der Frühling vorerst ausfällt

Auch wenn heute Frühlingsanfang ist, die Zeichen stehen weiter auf Kälte und Nässe. Der Meteorologe Lars Kirchhübel erklärt, warum der Winter einfach nicht vergehen will – und wann wir auf Besserung hoffen dürfen.

Auch zum Frühlingsanfang bleibt der Winterdienst auf deutschen Straßen ein vertrauter Anblick. Quelle: dpa
Auch zum Frühlingsanfang bleibt der Winterdienst auf deutschen Straßen ein vertrauter Anblick. Quelle: dpa

Herr Kirchhübel, zumindest am Wochenende droht nochmal ein Vorstoß sibirischer Kaltluft nach Westen – will der Winter wirklich immer noch nicht weichen?

Das ist richtig. Wir beobachten diesen Winter ein sehr ausgeprägtes Hochdruckgebiet über Skandinavien. Dieses dreht sich im Uhrzeigersinn, zapft dadurch immer wieder das starke Kaltluftreservoir in Sibirien an und leitet diese Luftmassen über die Ostsee nach Mitteleuropa – so auch wieder bis zum Ende dieser Woche.

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Gibt es Gründe, warum das Hochdruckgebiet über Nordeuropa diesen Winter so dauerhaft ist?

Es gibt Mechanismen, die zumindest die Entstehung begünstigen. Darunter fällt zum Beispiel der Zustand der Nordatlantischen Oszillation – abgekürzt NAO –, die die Druckgegensätze zwischen Islandtief und Azorenhoch beschreibt. Sie wechselt zwischen verschiedenen Phasen: Herrscht ein starker Luftdruckgegensatz zwischen beiden Regionen, spricht man von einem positiven Index, fällt er hingegen flach aus, von einem negativen.

Deutschland friert Schnee zum Frühlingsanfang

  • Deutschland friert: Schnee zum Frühlingsanfang
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Was bedeutet das für unser Wetter?

Bei einem positiven NAO-Index führt eine starke westliche Strömung über dem Atlantik bis nach Mitteleuropa sehr milde und feuchte Luftmassen heran. Das war zum Beispiel während der 1990er Jahre der Fall, einer Periode, aus der vielen Menschen noch starke Winterstürme bekannt sind.

Bei einem negativen NAO-Index fallen das Azorenhoch sowie das Islandtief eher schwach aus – und damit auch die Westwindströmung. Dadurch kann sich entweder das Russlandhoch weit nach Westen oder das Grönlandhoch über Island hinweg nach Süden ausdehnen, und wir erhalten ein Blockade: Das Hoch bremst die Tiefs aus dem Atlantik; diese weichen nach Süden aus und ziehen oft über Spanien in den Mittelmeerraum. Dort regnet es dann stärker, während Mittel- und Osteuropa arktische oder sibirische Kaltluftmassen anzapfen: Es friert, und wir müssen mit Schnee rechnen. Das war diesen Winter sehr häufig der Fall.

Existieren noch andere großräumige Einflussfaktoren?

Ja, in Skandinavien und Nordosteuropa hat sich in diesem Winter ein sehr großer Pool an kalter Luft entwickelt, der bis nach Sibirien reicht und sich sehr hartnäckig erhält. Nicht ohne Grund sprach man in Russland von einem der strengsten Winter seit Langem.

Wetterextreme: Hitze, Smog, Sturmfluten und Eisglätte

Normalerweise wird dieses Kaltluftreservoir mit steigendem Sonnenstand und damit erhöhter Wärmezufuhr abgebaut, doch verläuft dies bislang noch sehr zögerlich. Und solange dieser Speicher gut gefüllt ist, können je nach Wetterlage weiterhin Kaltluftpakete Richtung Deutschland driften.

  • 02.04.2013, 09:41 Uhrwoko47

    Wie die Diskussionen hier schon andeuten gibt es viele Faktoren, die das Wettergeschehen beeinflussen. Der Jahrhundertirrtum war es jedoch, alles auf den CO2-Anstieg in der Athmosphäre zu reduzieren. Das ist allerdings auch ein Paradebeispiel für Handlungsweise in der Politik.

  • 21.03.2013, 07:57 UhrHofmannM

    @Dermaddin
    @Redaktion Handelsblatt
    Lassen Sie einfach das Wort "Erwärmung" weg und schreiben Sie in zukunft von "Schwankungen im MINUS Temperaturenbereich".
    Dem unwissenden Leser wird mit dem Begriff "Erwärmung" ein falsches Bild dargebracht. Und genau dies ist in einer neutralen Medien Landschaft zu vermeiden. Auch sollte man immer dazu schreiben, dass unser Atmosphärensystem ein dynamisches System und kein starres System ist. Was jetzt gilt ist im gleichen Moment schon nicht mehr gültig. Um mal die Schnelllebigkeit der Dynamik begreiflich zu machen.
    Klima/Wetter ist nichts "Einbahnmäßiges". Das Klima kann nicht auf 2 Grad hin oder her begrenzt werden! Wer solche Vorstellung medial-politisch verbreitet, der hat keine Ahnung und will die Bürger entweder weiter steuerlich/abgabenmäßig schröpfen oder mit neuen Gesetzen/Verordnungen gefügig machen für seine jeweiligen ideologischen Vorstellung einer anderen (grünsozialistischen) Gesellschaft. Diese wird dann den Mangel an Wissen,Freiheit,Wohlstand HULDIGEN. Zurück in die wissensarme Mangelwirtschaft.

  • 20.03.2013, 17:01 UhrAlex

    Es gibt doch gar keinen Grund sich hier aufzuregen. Wenn es sich so verhält, wie es auf der Seite des idw geschildert wurde "[...] Etwa alle zwei Jahre erwärmt sich die Stratosphäre über der Winterhalbkugel jedoch [!-] innerhalb weniger Tage [-!] um bis zu 30 bis 50 Grad [...]" kommt das CO2 doch gar nicht als Verursacher in Frage. Eher schon Ozon - in Zusammenhang mit der UV-Anteil der Sonnenstrahlung. Also allgemeiner formuliert - mit der Aktivität der Sonne.

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