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Naturwissenschaft: Wenn das Wasser kommt

In der letzten Zwischeneiszeit stieg der Meeresspiegel plötzlich um mehrere Meter an. Das ergab eine aktuelle Studie. Und sie gibt Anlass zur Sorge. Denn solche massiven Überschwemmungen erscheinen auch heute nicht mehr ausgeschlossen.

Schmilzender Eisberg in Grönland: Eine aktuelle Studie gibt Anlass zur Sorge. Quelle: ap
Schmilzender Eisberg in Grönland: Eine aktuelle Studie gibt Anlass zur Sorge. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Der Anstieg der Meeresspiegel ist eine der Bedrohungen durch den Klimawandel. Tatsächlich ist etwas Ähnliches bereits einmal in der Erdgeschichte geschehen: In der letzten Warmzeit - auch Interglazial oder Zwischeneiszeit genannt - stieg der Meeresspiegel weltweit um vier bis sechs Meter an.

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Ein mexikanisch-deutsches Forscherteam berichtet in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature", dass dieser Anstieg sehr plötzlich eingetreten sein muss. Paul Blanchon und seine Kollegen von der Nationalen Universität von Mexiko in Cancun und vom IFM-Geomar in Kiel hatten fossile Korallenriffe auf der mexikanischen Halbinsel Yucatan untersucht, die aus der letzten Zwischeneiszeit stammen.

Sie konnten zeigen, dass diese Riffe abstarben, als der Meeresspiegel bereits um etwa drei Meter angestiegen war. Danach wuchsen die Korallen wieder kontinuierlich mit dem weiterhin steigenden Wasser, das seinen Höchststand schließlich bei sechs Metern über dem ursprünglichen Wert erreichte.

Aus dem abrupten Niedergang der Riffe schließen die Forscher, dass ein plötzliches Ereignis eingetreten sein muss - nämlich ein Anstieg des Meeresspiegels um zwei bis drei Meter auf einen Schlag. Dieser sprunghafte Anstieg sei vor 121 000 Jahren passiert, heißt es in der Studie. "Wir schließen daraus, dass es am Ende des letzten Interglazials eine Phase der Instabilität der Eisschilde gab", schreiben die Forscher weiter.

Nach Ansicht der Wissenschaftler gibt ihre Studie reichlich Anlass zur Sorge - nicht nur um die Korallenriffe, die einen sprunghaften Anstieg der Meeresspiegel offenbar nicht vertragen. Sollten sich die Ereignisse der letzten Zwischeneiszeit wiederholen, müssten wir uns auf massive Überschwemmungen in Küstengebieten einstellen.

Ein Forscherteam vom National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado, glaubt allerdings, dass sich der Anstieg der Meere noch aufhalten lassen könnte - wenn alle Nationen ihre Treibhausgas-Emissionen drastisch reduzieren. Das schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Geophysical Letters".

Im vergangenen Jahrhundert sind die Durchschnittstemperaturen weltweit um etwa ein Grad Celsius gestiegen; ein weiteres Grad könnte das Klima zum Kippen bringen. Sollte es jedoch gelingen, den Ausstoß von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen bis zum Ende des Jahrhunderts um 70 Prozent zu verringern, so die Forscher, dann ließe sich zwar die Erwärmung nicht stoppen; die Maßnahmen könnten aber die dramatischen Folgen für das arktische Meereis und den Anstieg der Meeresspiegel verringern.

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