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Neues Rheuma-Medikament: Wenn andere Wirkstoffe versagen

Nicht nur die Früherkennung bei rheumatischen Erkrankungen wird immer besser, auch in der Therapie bieten sich nun mehr Optionen: Ein neuartiges Medikament greift Beschwerden an, gegen die herkömmliche Mittel nichts ausrichten konnten.

von Dietrich von Richthofen

BERLIN. Das US-amerikanische Pharmaunternehmen Bristol-Myers Squibb (BMS) hat die europaweite Zulassung für einen neuartigen Wirkstoff zur Rheumatherapie erhalten. Das Medikament aus der Klasse der sogenannten Biologicals greift an einem anderen Ziel in den Entzündungsprozess ein als bisherige Antikörper-basierte Rheumamittel. Es bietet deshalb eine neue Therapieoption für Patienten, die auf die Therapie mit den bereits etablierten Biologicals nicht ansprechen.

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Biologicals sind Antikörper, die an Botenstoffe oder Rezeptoren binden und so einen gezielten Eingriff in molekularbiologische Signalwege erlauben. Die drei wichtigsten Medikamente auf dem Markt, Infliximab von Johnson & Johnson, Etanercept von Wyeth/Amgen und Adalimumab von Abbott blockieren den Botenstoff „TNF-alpha“, der im Entzündungsprozess Immunzellen aktiviert. Der neue Wirkstoff Abatacept von BMS dagegen verhindert die Aktivierung der sogenannten T-Zellen. Die Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde beschränkt sich derzeit auf die Therapie von Patienten, die zuvor auf mindestens einen TNF-alpha-Blocker nicht angesprochen haben.

Der Einsatz von Biologicals in der Rheuma-Therapie gewinnt immer mehr an Bedeutung. Die führenden Hersteller konnten ihren Umsatz mit den hochpreisigen, biotechnisch hergestellten Medikamenten im vergangenen Jahr deutlich steigern. Während das am meisten verkaufte „Infliximab“ von Johnson & Johnson nur um rund 19 Prozent zugelegt hat, stieg der Umsatz mit den Rheumamedikamenten „Etanercept“ von Wyeth um 38 Prozent und mit „Adalimumab“ von Abott sogar um 46 Prozent.

In Zukunft könnte es allerdings enger auf dem Markt werden, denn zahlreiche Hersteller haben weitere innovative Wirkstoffe in der Pipeline, die sich kurz vor der Zulassung oder in der fortgeschrittenen klinischen Prüfung befinden: Das belgische Pharmaunternehmen UCB hat bereits im Frühjahr 2006 den Antrag auf Zulassung für „Certolizumab“ eingereicht. Dabei handelt es sich um einen modifizierten TNF-alpha-Blocker, der durch Verbindung mit dem kettenartigen Molekül Polyethylenglykol langsamer im Blut der Patienten abgebaut wird. Vorteil für die Patienten: Sie müssen die Infusion nicht mehr so häufig bekommen.

Und Roche hat mit dem japanischen Unternehmen Chugai den neuen Antikörper „Tocilizumab“ entwickelt, der gegen ein neues molekularbiologisches Ziel gerichtet ist. Insgesamt rechnet der Verband Forschender Arzneimittelhersteller bis 2011 mit der Zulassung fünf neuer Wirkstoffe zur Therapie der rheumatoiden Arthritis.