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Schifffahrt: Mit Schallkanonen gegen Seeräuber

Die Reeder rüsten auf: High Tech soll Handels- und Kreuzfahrtschiffe vor dem Zugriff von Piraten schützen. Mit Schall- und Laserkanonen oder Mikrowellenwaffen könnten sich Besatzungen künftig gegen Angreifer zur Wehr setzen.

Festnahme von somalischen Piraten durch französische Soldaten. Doch für viele Reeder ist der Schutz durch die Seestreitkräfte nicht ausreichend. Foto: dpa Quelle: dpa
Festnahme von somalischen Piraten durch französische Soldaten. Doch für viele Reeder ist der Schutz durch die Seestreitkräfte nicht ausreichend. Foto: dpa Quelle: dpa

BERLIN. Reeder Niels Stolberg, Chef der Bremer Beluga Shipping GmbH, hat von Piraten genug: Er rüstet nun versuchsweise einige seiner Schiffe mit Schallkanonen aus, deren schmerzhafte Hochfrequenztöne angreifende Seeräuber auf Abstand halten sollen. Zuletzt war sein Frachter MS "BBC Trinidad" drei Wochen in der Hand somalischer Piraten, die die 13-köpfige Besatzung als Geiseln nahmen. Stolberg musste das Schiff für 1,1 Millionen US-Dollar freikaufen.

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Auf Dauer wird das teuer, daher sollen neben militärischem Geleit neue Techniken helfen, Angreifer wirkungsvoll abzuschrecken. Eine bewährte Technik ist die Lärmkanone LRAD (Long Range Acoustic Device). Es handelt sich dabei um eine sogenannte nichttödliche Waffe. Der Langstrecken-Schall-Strahler stößt extrem schrille Töne aus, die Schmerzen, Übelkeit und sogar Bewusstlosigkeit verursachen können.

Beluga-Chef Stolberg erprobt die Technik auch noch aus einem anderen Grund: "Die deutschen Kaskoversicherer empfehlen den Einsatz von Schallkanonen als defensive Sicherheitsmaßnahme. Passagier- und Frachtschiffe hatten bei der Abwehr von Angreifern mit der Lärmwaffe bereits Erfolg. Das Kreuzfahrtschiff "Seabourn Spirit" hat im November 2005 auf diese Weise somalische Seeräuber abwehren können. Nun wächst das Interesse daran kräftig.

LRAD beschallt die Angreifer mit bis zu 150 Dezibel. "Innerhalb einer Entfernung von 90 Metern wollen Sie sich garantiert nicht aufhalten", meint Carl Gruenler, Vizepräsident des Herstellers American Technology, zu der krawalligen Wirkung. Der unerträgliche Lärmradius beträgt bis zu 500 Meter, womit eine Besatzung beizeiten eingreifen kann.

Derartige Lärmschleudern könnten in diesem Jahr einen regelrechten Boom erleben; denn für viele Reeder ist der Schutz durch die Marine nicht ausreichend und das Geleit durch Sicherheitsdienste, die bis zu 7 000 Euro am Tag berechnen, schlicht zu teuer. Besonders flache und langsame Schiffe geraten in das Fadenkreuz der Piraten, weil sie einfach mit Enterhaken und Seilen zu kapern sind.

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