_

Senioren: Produktentwickler holen sich Rat bei den Alten

Über 50-Jährige werden zur kaufkräftigsten Konsumentengruppe. Deshalb gehen Unternehmen zunehmend auf die Bedürfnisse älterer Kunden ein. Große Konzerne wie Siemens, Nokia, Miele oder Volkswagen haben die Finanzkraft der Senioren längst entdeckt.

Die über 50-jährigen werden für viele Industriekonzerne zur wichtigsten Konsumentengruppe. Quelle: dpa
Die über 50-jährigen werden für viele Industriekonzerne zur wichtigsten Konsumentengruppe. Quelle: dpa

BERLIN. Die Jugend beherrscht die deutschen Forschungsabteilungen. Laut einer Studie von TNS Infratest arbeiten hier vor allem 30- bis 40-Jährige. Bei der Entwicklung von Unterhaltungselektronik oder Haushaltsgeräten sind Ältere in vielen Firmen nicht einmal als Produkttester gefragt. "Senioren kommen hier noch zu kurz", sagt die Industrieanthropologin Nadine Fritz. Sie gründete im Dezember die Beratung Mentecs und hat einen Probandenpool aufgebaut, bei dem ältere Produkttester besonders berücksichtigt werden. Fritz investiert damit in einen riesigen Zukunftsmarkt.

Anzeige

"Die über 50-Jährigen werden zur wichtigsten Konsumentengruppe", sagt Friederike Woermann-Seiger, Projektmanagerin im Kompetenzzentrum Corporate Performance bei Roland Berger. Bereits im Jahr 2008 schätzte die Gesellschaft für Konsumforschung die Kaufkraft dieser Gruppe auf mehr als 600 Mrd. Euro. Schon heute zahlen die über 50-Jährigen laut Roland Berger die Hälfte aller Konsumausgaben in Deutschland - Tendenz steigend.

Große Konzerne wie Siemens, Nokia, Miele oder Volkswagen haben die Finanzkraft der Senioren längst entdeckt. Siemens deklariert den demografischen Wandel gar zum "Megatrend" und investiert unter anderem in IT- und Medizintechnik, die auf die Bedürfnisse von Senioren eingeht. Schließlich gilt vor allem der Gesundheitsmarkt dank der Alten als größter Wachstumsmarkt. Bis 2035 wird der Anteil der Ausgaben für Gesundheit und Pflege am Gesamtkonsum um 40 Prozent steigen, prognostizieren die Berater von Roland Berger.

Autohersteller fragen die Alten

Auch Haushaltsgeräte wie Öfen oder Waschmaschinen passen die Hersteller an die Bedürfnisse der Senioren an. Miele erhielt bereits vor fünf Jahren ein Siegel der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) für eine Spülmaschine, bei der sich die Nutzer nicht mehr bücken müssen, um Salz nachzufüllen. Handyhersteller wie Nokia haben Modelle im Angebot, die leicht zu bedienen sind und übersichtliche Tasten besitzen. Doch mit dem Etikett "seniorengerecht" werben die Konzerne bisher selten.

  • 09.03.2010, 11:57 UhrAnonymer Benutzer: Andreas Reidl

    Danke, dass es wieder einmal ein Thema zum Wirtschaftsmotor Alter in das Handelsblatt geschafft hat. Aber schade, dass sich die bedeutung des Themas in stigmatisierenden Aussagen, wie die 50plus Generation will Autos in denen man höher sitzt oder Produkte für diese Generation werden als Gerontotechnik bezeichnet. Obwohl die Zahl in ihrem beitrag genannt wird - mehr als 50 % des Gesamtkonsums wird von der Generation 50plus getaätigt! - wird scheinbar nicht realisiert, dass wir nicht über Zukunftsmärkte, sondern über den HEUTE größten Markt sprechen. Dabei geht es auch um A-Klasse und Golf plus, aber vor allem auch um die klassischen Konsumgütermärkte (Kaffee, Setk, brot alles 50plus dominierte Produkte). Und es geht um die Millionnen Arbeitsplätze, die diese Generation sichert, um die Milliarden Mehrwertsteuereinnahmen di ediese Generation durch ihren Konsum verursacht. Letztendlich geht es darum herauszufinden was 50plus geren kauft kauft und warum.

    Eine Frage, die mich seit mehr als 10 Jahren beschäftigt und die wir mit unseren 1.300 Senior-Scouts für die industrie immer wieder hinterfragen.

    Herzlichen Dank für ihren beitrag, der meines Erachtens leider wieder ein Altersbild vom hilfebeürftigen Senioren prägt.

    Andreas Reidl

  • Die aktuellen Top-Themen
Ethik-Diskussion: Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Wann ist ein Hacker ein guter Hacker?

Bei einer Tagung des Chaos Computer Club haben Hacker versucht, für sich eine neue Ethik zu formulieren. Doch die Szene streitet, was Hacker dürfen sollen.

Expo 2012: Viel High Tech, wenig Gäste

Viel High Tech, wenig Gäste

Mit einer Expo zur nachhaltigen Nutzung der Meere will Südkorea Gäste aus aller Welt ins Land locken. Allein im deutschen Pavillon stecken 15 Millionen Euro. Doch die ersten Besucherzahlen waren enttäuschend.

Dragon besucht ISS: Das Andock-Manöver in Bildern

Das Andock-Manöver in Bildern

Erstmals dockt an der Raumstation ISS etwa 350 Kilometer über der Erdoberfläche ein privat finanzierter Raumtransporter an. Die beeindruckenden Bilder zu einem Meilenstein der Raumfahrtgeschichte.

  • Video

Auto-Visionen Viel Power für wenig Euro - Mazda 3 MPS

Über das Design des sportlichen Japaners kann man streiten - über das Preis-Leistungsverhältnis nicht. Für weniger als 30.000 Euro bietet Mazda satte 260 Pferdestärken. Was sonst noch im MPS steckt, klärt unser Fahrtest.