So will Google zum Sprachgenie werden

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Das Internet erfordert Grundlagenarbeit

Ausgangspunkt ist die Bibel, das wohl am häufigsten in andere Sprachen übersetzte Buch der Welt. Durch den maschinellen Vergleich der Übersetzungen miteinander lernt Translate, wie einzelne Wörter und Sätze zu behandeln sind. Weitere beliebte Quellen sind amtliche Übersetzungen von Dokumenten der Vereinten Nationen - sie gelten als besonders akkurat und damit ideal, um die Computer damit zu füttern. Je mehr Vergleichstexte, umso besser das Ergebnis. Je exotischer eine Sprache, desto weniger Vergleichstexte, um so kruder und fehlerhafter die Ergebnisse. Wer heute auf Google Translate Texte eingibt, wird das schnell am eigenen Leibe erleben. Aber der Lernprozess schreitet immer weiter voran.

Das Internet ist noch immer jung

Ermöglicht werden diese Art der Übersetzung und die computergesteuerte Spracherkennung erst durch die gesammelte Rechenkraft des Internets. Die eingetippten Texte werden nicht mehr auf einem PC oder Smartphone übersetzt oder ausgewertet - diese hätten weder die Rechenleistung noch den Speicherraum für die Datenmassen. Das alles übernehmen nun Googles Rechenzentren, die per Internet mit den Geräten der Nutzer verbunden sind.

Die riesigen Hallen voll miteinander verknüpfter Computer eröffnen dem Konzern erst die Möglichkeiten, seine Visionen Stück für Stück Realität werden zu lassen. Alfred Spector, der Herr über Googles Zukunftssuche, spricht von "einem dramatischen Wandel": "Zu Beginn drehte sich alles um Mathematik und später um Software-Entwicklung", berichtet der Stanford-Absolvent, der 2007 zu Google stieß. "Jetzt steht die empirische Forschung im Mittelpunkt." Diese benötigt aber vor allem eines: riesige Datenmengen.

Spector und seine Mitarbeiter müssen noch viel sammeln. Das Internet ist noch immer jung und erfordert Grundlagenarbeit. Das übergeordnete Ziel der Forscher ist es, die Informationen der Welt zu organisieren, digital zugänglich und nutzbar zu machen. Der Bogen der Themen, derer sich die Entwickler annehmen, reicht von Programmierwerkzeugen über Robotik und künstliche Intelligenz bis zu fahrerlosen Fahrzeugen, Solarenergie und alternativen Energien.

Es sind noch riesige Probleme zu lösen

Dabei, so Spector, geht es "angesichts der Ausmaße der Google-Operationen um fundamentale Fragen der Entwicklung, Bereitstellung und Verbesserung von Systemen mit globaler Größenordnung". Er nennt sie "Systeme in Google-Dimension". Bescheidenheit war im Googleplex noch eine Tugend. "Wir werden in wenigen Jahren Systeme sehen, in denen weltweit eine Milliarde Prozessoren zusammenarbeiten werden", prophezeit der Forschungschef. Sie werden dann vielleicht nötig sein für die planetare verzögerungsfreie Weltsprachenmaschine. Wie solche globalen Computer überhaupt gesteuert werden können, daran arbeitet man im Googleplex.

Werden wir also bald auf Deutsch in den Telefonhörer sprechen und am anderen Ende der Welt hört der chinesische Geschäftspartner unseren Ausführungen in bestem Mandarin zu? "Es sind noch riesige Probleme zu lösen", bremst Vanhoucke allzu großen Optimismus. Aber zuversichtlich ist er schon: "Das Internet und Cloud-Computing, die Verfügbarkeit riesiger Datenmengen, das alles hat die Karten neu gemischt. Dinge, die vor drei Jahren undenkbar waren, sind heute auf dem Markt." Es ist nur noch eine Frage der Zeit, da sind sich Spector, Vanhoucke und Och einig.

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