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Trotz Satellitennavigation: Geisterinseln narren auch moderne Seefahrer

Moderne Seekarten verzeichnen noch immer Inseln, die gar nicht existieren. Wie kann es im Zeitalter der Satellitennavigation zu solchen Fehlern kommen? Forscher haben das am Fall einer Geisterinsel im Pazifik untersucht.

Trauminsel oder Täuschung? Weltweit verzeichnen Seekarten immer noch Inseln, die gar nicht existieren. Quelle: dpa
Trauminsel oder Täuschung? Weltweit verzeichnen Seekarten immer noch Inseln, die gar nicht existieren. Quelle: dpa

HeidelbergIm November 2012 machte die Crew des Forschungsschiffes „Southern Surveyor“ eine merkwürdige Entdeckung im östlichen Korallenmeer: Die Forscher fanden nichts.

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Das war deshalb eine Sensation, weil hier auf 19 Grad südlicher Breite und 158 oder 159 Grad östlicher Länge im Pazifik zwischen Neukaledonien und Australien eigentlich Sandy Island liegen sollte, eine 24 Kilometer lange und knapp fünf Kilometer breite Insel, eingezeichnet auf zahlreichen Seekarten und unter dem Namen Sable Island auch im Times Atlas of the World aufgeführt. Nur nicht auf Google Maps.

Doch Maria Seton von der University of Sydney und ihre Kollegen erblickten – nichts. Mehr noch: Ihre Instrumente, mit denen sie den Meeresgrund der Region vermessen wollten, zeigten konstant Tiefen von 1400 Metern an. Lag eine Fehlfunktion vor? War das Eiland überflutet worden oder sogar kollabiert und in der Tiefe versunken?

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Vorsichtig näherte sich das Schiff dem fraglichen Abschnitt; alle Crewmitglieder mussten an Deck und den Horizont auf verräterische Zeichen wie schäumende Brandung absuchen, damit ihr Gefährt nicht aus Versehen auf Grund lief. Doch Fehlanzeige: Die Messgeräte funktionierten einwandfrei und belegten im gesamten Umkreis Meerestiefen von 1300 Metern und mehr. Und nichts deutete darauf hin, dass hier jemals eine Insel existierte, denn Setons Team entdeckte keine Spuren wie unterseeische Berge oder alte Riffe.

Vorsorglich werden auch "unsichere" Inseln eingezeichnet

Und dennoch hat Sandy Island ihren festen Platz in zahlreichen Kartenwerken – und das schon seit Jahrhunderten, wie die anschließende Spurensuche von Seton und Kollegen zeigte. Ein Bibliothekar aus Neuseeland meldete beispielsweise, dass er das Eiland auf einer Karte aus dem Jahr 1908 gefunden habe, die auf Daten aus dem Jahr 1876 beruhte. Damals hatte der britische Walfänger „Velocity“ die Insel angeblich gesichtet und ihre Position mit S19°14'; E159°56’ angegeben.

Richtig vertrauten die damaligen Kartografen den Angaben allerdings nicht, wie eine Randnotiz mahnt: „Vorsicht ist angebracht, wenn man zwischen den flachen Inseln des Pazifiks navigiert. Die Details wurden aus den Reisen verschiedenster Vermesser über lange Jahre hinweg zusammengetragen. Die relative Position vieler Gefahren könnte daher vielleicht nicht exakt wiedergegeben werden.“ Um die Achtsamkeit der Seefahrer zu schärfen und vor möglichen Risiken zu warnen, wurden schon die leisesten Hinweise auf Inseln und Riffe in die Kartenwerke aufgenommen.

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Vielfach geschah dies aus gutem Grund: Die Chesterfield-Inseln westlich von Sandy Island beispielsweise gelten als heimtückisches Archipel, denn sie bestehen aus einem Dutzend flacher Koralleninseln, zahlreichen Riffen und Sandbänken, die teilweise noch in Bewegung sind, weil Wind und Wellen Sand verdriften und neu ablagern – auf knapp 900 Quadratkilometern See erstrecken sich nur knapp zehn Quadratkilometer festes Land. Wer hier durchsegelt, muss auf der Hut sein, und viele Seekarten – zumal aus Zeiten vor der Satellitenüberwachung der Erde – berücksichtigen dies: Sie nahmen auch Inseln auf, deren Nachweis vage war und die nur vielleicht da sein könnten.

  • 08.05.2013, 15:07 UhrNumismatiker

    Dumm gelaufen, wenn man auf solch einer Insel sein Schwarzgeld gebunkert hat... :-DD

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