
BERLIN. Leopard Ninja hat im Berliner Tierpark ein gesegnetes Katzenalter erreicht: 24 Jahre. Dann verschwand er in die ewigen Jagdgründe. Doch Ninja ist nach seinem Tod für die Wissenschaft unsterblich geworden. Seinen Kopf hat der erste hochmoderne Computertomograph für wilde Tiere eingescannt. Forscher aus aller Welt können diese Bilder nun studieren. Am Dienstag (6. Juli) wird das rund eine Million Euro teure Gerät am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) erstmals öffentlich gezeigt. Patient ist dann eine quicklebendige Borneo-Schildkröte, die vielleicht einen Angelhaken verschluckt hat.
Der neue Computertomograph hat für die Tiere am IZW einen ganz entscheidenden Vorteil: Mussten Wissenschaftler manche Tiere für Untersuchungen früher noch töten, werden nun viele nur noch durchleuchtet. Tierarzt Guido Fritsch schätzt die neue Technik deshalb sehr. „Bisher mussten wir ein Tier aufschneiden, um reinzugucken“, sagt er. Nun übernimmt eine Maschine den Job.
Für die Humanmedizin stehen Computertomographen (CT) schon lange in Kliniken. Auch kranke Tiere profitieren bereits von der modernen Röntgentechnik. An der Freien Universität Berlin (FU) sind Tier-CTs von Katzen und Hunden Routine. Auch so manches wilde Tier war schon zu Gast. Doch mit Elefanten, Löwen, Flusspferden oder Bären gibt es eben ein Problem. Sie sind oft zu groß und zu schwer – und die CT- Technik an der FU ist auch nicht mehr die schnellste.
Der neue Tomograph am IZW durchleuchtet bis zu 300 Kilogramm schwere Tiere in Sekundenschnelle. Vor kurzem lag dort der kleine Elefant Jamuna Toni aus dem Münchner Zoo. Das Jungtier musste zum Kummer seiner Pfleger eingeschläfert werden, weil es sich nicht mehr bewegen konnte. Erst im CT bestätigte sich der Verdacht: Jamuna Toni litt an einer bösartigen Knochenkrankheit. Die CT-Analyse soll nun helfen, die genaue Ursache herauszubekommen. Ein genetischer Defekt? Die Zeit drängt, denn das Muttertier in München ist wieder trächtig.