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Wissenschaft: Hyperthermie gibt neue Hoffnung bei Weichteilkrebs

Mit einer Überwärmungstherapie wollen Ärzte Patienten mit bösartigen Weichteiltumoren sowie Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs besser helfen.

dpa MüNCHEN. Mit einer Überwärmungstherapie wollen Ärzte Patienten mit bösartigen Weichteiltumoren sowie Bauchspeicheldrüsen- und Dickdarmkrebs besser helfen.

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Bei der weltweit ersten klinischen Studie mit an Weichteilkrebs erkrankten Menschen habe die so genannte regionale Hyperthermie (RHT) auch in der letzten Studienphase sehr gute Erfolge im Vergleich zur Standardmethode gebracht, berichteten Mediziner und Wissenschaftler am Montag in München. „Das Ziel wurde mehr als erreicht“, sagte der Projektleiter Prof. Rolf D. Issels, der die Arbeit am Universitäts-Klinikum Großhadern und am GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit leitete. Im September soll eine Studie mit Überwärmung bei Bauchspeicheldrüsenkrebs in die letzte klinische Phase gehen.

„Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass wir für dieses Therapieverfahren Einrichtungen schaffen“, sagte Issels. Bisher sei die Hyperthermie-Behandlung bei Weichteilkrebs nur an fünf großen Zentren in Deutschland möglich, darunter an der Berliner Charité. Zudem seien die Kassen nun aufgefordert, die Kosten für die Methode zu übernehmen.

Bei der vor zehn Jahren gestarteten randomisierten Studie mit 341 Patienten sprachen 37 Prozent bei der Überwärmungstherapie an, bei der Standardtherapie waren es nur zwölf Prozent. Signifikant mehr Patienten konnten nach der Hyperthermiebehandlung mindestens fünf Jahre krankheitsfrei leben. „Das ist für uns ein außerordentlich erfreuliches Ergebnis.“ Die Hyperthermie sei aber nur anwendbar bei großen Tumoren, die nicht Metastasen gebildet haben.

Bei der örtlich auf den Tumor begrenzten Hyperthermie werden die bösartigen Zellen mittels elektromagnetischer Wellen auf 40 bis 44 Grad erwärmt. Ab 42 Grad sterben die Zellen ab, ab 40 Grad werden die Tumorzellen angreifbarer für Chemo- und Strahlentherapie. Die Überwärmung alleine genüge aber nicht, erläuterten die Mediziner. Vielmehr werden Überwärmung und Chemotherapie kombiniert, nach vier Zyklen wird der Tumor operiert. Dann folgt eine Strahlenbehandlung und eine weitere Behandlung mit Überwärmung und Chemotherapie. Die Kosten allein für die Behandlungen mit Überwärmung und Chemotherapie belaufen sich auf fast 60 000 Euro.

In den gut durchbluteten Teilen eines Tumors werde zwar die Wärme durch das Blut rascher abgeleitet, jedoch könne hier die über die Blutbahn verabreichte Chemotherapie besser wirken. An den schlechter durchbluteten Teilen des Tumors wirke wiederum die Überwärmung stärker. Die Studie habe auch erbracht, dass die Nebenwirkungen der Chemotherapie durch die Überwärmung nicht verstärkt würden.

Die Überwärmung wird in Deutschland bereits seit mehr als 20 Jahren erforscht. Allein der Zulassungsprozess für die letzte Phase einer Studie dauere bis zu zwei Jahren, kritisierte der Direktor der Medizinischen Klinik III in Großhadern, Prof. Wolfgang Hiddemann. Dabei müssten diverse Ethikkommissionen ihre Zustimmung geben. „Die Umsetzung wird durch Bürokratie nur behindert.“