
BERLIN. Alexey Kalachev erscheint, inmitten der Papierschichten seines kleinen Büros, wie der Inbegriff des unermüdlich erfindenden Forschers: die Haare nicht gerade streng gescheitelt, die Krawatte gelockert und die Brille etwas windschief auf der Nase. Tatsächlich: Der Chemiker erfindet fortlaufend neue Produkte. Aber der Russe fühlt sich nicht nur zu den winzigen Nanoteilchen in seinem Labor hingezogen, sondern er nimmt auch aktiv Teil am großen Treiben der Marktwirtschaft.
Mit seiner 1993 gegründeten Firma PlasmaChem, die heute im Technologiepark Berlin-Adlershof ihren Hauptsitz hat, entwickelt er mit seinen elf Mitarbeitern vor allem Nanomaterialien für die Medizin. Etwa Gefäßstützen, so genannte Stents, die durch eine Beschichtung mit künstlichen Nano-Diamanten verträglicher werden oder sich – die Technik ist allerdings noch in der Entwicklung – selbst auflösen, wenn sie die Gefäße gedehnt haben. Mit Wissenschaftlern der Berliner Humboldt-Universität arbeitet er außerdem an einer superschnellen DNS-Sequenzierung, bei der auf einem neuartigen Nanochip das Riesen-Molekül aufgespannt und gelesen wird.
Abgenabelt von der Welt der Wissenschaft hat sich Kalachev bewusst nicht. „Die Nähe zu Forschungsinstituten an der Uni oder hier in Adlershof hilft enorm.“ Er ist ein Forschergeist geblieben, aber einer, der Ideen in Handfestes umsetzt: „Zielloses Forschen macht mich krank. Ich möchte Produkte auf den Markt bringen, die das Leben verbessern, und nicht nur einen Stapel Papier hinterlassen“, erklärt er seinen Antrieb.
Eines dieser Produkte ist die von ihm erfundene Kontaktlinse, die sich dank atmungsaktiver Nano-Oberfläche aus Silizium über drei Monate hinweg dauerhaft tragen lässt. Herstellung und Vermarktung übernimmt die gemeinsam mit der Bayer AG gegründete Firma LensWista GmbH, die die Linsen ab Mai auf den Markt bringen wird. Dann zieht sich der Russe aus der Geschäftsleitung zurück, bleibt aber Forschungsleiter: „Gleich zwei Firmen zu führen und zu forschen ist dann doch zu viel.“