
HEIDELBERG. Ein paar Gramm Molybdän in Mammografen, eine dünn aufgedampfte Schicht Gallium auf der Fotovoltaikzelle, Spuren von Neodym in den Magneten moderner Elektroautos: Viele unserer Hightech-Produkte enthalten geringe Mengen an seltenen Metallen. Wie der Pfeffer auf dem Steak oder das Salz in der Gemüsesuppe verfeinern die so genannten Gewürzmetalle moderne Produkte und machen sie leistungsfähiger oder besser einsetzbar.
Kondensatoren aus Tantal etwa ermöglichen die Verkleinerung von Mobiltelefonen oder Digitalkameras, Indium bildet eine leitende und transparente Schicht in Flachbildschirmen. Die Verfügbarkeit dieser Rohstoffe entscheidet darum maßgeblich über die Produktion und Weiterentwicklung zahlreicher moderner Technologien.
„Allein in einem Computerchip werden derzeit etwa 70 Metalle verarbeitet“, sagt Lorenz Erdmann vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung IZT in Berlin. „Und die Zukunftstechnologien werden bei bestimmten seltenen Metallen zu einer steigenden Nachfrage führen.“
Bei Gallium, das in Leuchtdioden und integrierten Schaltungen eingesetzt wird, geht das IZT in einer gemeinsamen Studie mit dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI davon aus, dass sich der Bedarf bis 2030 versechsfacht. Bei Neodym, das zu den so genannten seltenen Erden zählt, wird der Bedarf bis 2030 vermutlich um den Faktor 3,6 steigen. Könnten uns also in wenigen Jahren die Metalle für unsere Hightech-Produkte ausgehen?
Die Lage ist komplex. Während bei Gold etwa schlicht die Ressource knapp ist, hängt die Verfügbarkeit der einzelnen Gewürzmetalle von verschiedenen Faktoren ab. Gadolinium etwa, das in modernen Brennelementen von Kernreaktoren Verwendung findet, ist wirklich geologisch selten. Andere Elemente wie zum Beispiel Scandium sind im Erdreich sehr fein verteilt. Für sie gibt es keine klassischen Lagerstätten, die Gewinnung ist aufwändig und teuer, das Metall auf dem Weltmarkt daher knapp, auch wenn es eigentlich reichlich vorhanden ist.
Legt man die heute bekannten Lagerstätten und den zunehmenden Bedarf zu Grunde, haben viele seltene Metalle augenscheinlich nur noch eine begrenzte Reichweite: Die heute bekannten Reserven von Indium reichen der Studie von ISI und ITZ zufolge noch sechs Jahre, Tantal immerhin 25 Jahre.
Peter Buchholz von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) warnt aber davor, solche Schätzungen allzu wörtlich zu nehmen: „Die erfolgreiche Erkundung neuer Lagerstätten ist ein laufender Prozess, der von vielen Faktoren abhängt, etwa der Nachfrage, dem Preis, den Investitionen in die Rohstofferkundung und der Entwicklung neuer Technologien bei der Erkundung, beim Abbau und der Aufbereitung von Rohstoffen.“
Würden in Zukunft neue Lagerstätten erschlossen oder unser Verbrauch der Metalle durch nachhaltigeres Wirtschaften verringert, verschöben sich auch die Reichweiten. „Aus geologischer Sicht gibt es keine Versorgungsengpässe bei mineralischen Rohstoffen“, sagt Buchholz. „Möglich sind aber kurzfristige Lieferengpässe aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen.“