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Zukunft der Rohstoffe: Uranmangel bedroht Atomindustrie

Uranminen fördern jährlich nur zwei Drittel des weltweiten Bedarfs. Die Atomindustrie deckt den Rest aus den Vorräten, die aus jahrzehntelanger Überproduktion in den Minen angesammelt wurden. Doch diese Reserve neigt sich allmählich dem Ende zu - während der Uranhunger der Welt wächst.

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Kernkraftwerk Biblis: Noch zehrt die Atomindustrie von der langen Überproduktion vieler Uranminen. Quelle: ap
Kernkraftwerk Biblis: Noch zehrt die Atomindustrie von der langen Überproduktion vieler Uranminen. Quelle: ap

HEIDELBERG. Eigentlich gibt es so viel Uran unter der Erdoberfläche, dass Atomstrom noch sehr lange fließen kann. „120 Jahre“, antwortet Ulrich Schwarz-Schampera von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf die Frage, wie lange die Uranreserven noch reichen werden. Außer den Lagerstätten, die beim derzeitigen Uranpreis gewinnträchtig abgebaut werden können, vermuten Geologen noch weitere Vorkommen, die den aktuellen Bedarf weitere 150 Jahre decken könnten. Von Uranknappheit also keine Rede?

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Doch - denn nach Ansicht mancher Experten droht schon in den nächsten zehn Jahren ein Versorgungsengpass. „Die Konsequenzen wären höhere Erzeugungspreise für Kernenergie und die Stilllegung einzelner Kraftwerke“, sagt Peter Seltmann, Sprecher der Organisation Energy Watch Group.

Der Grund für den drohenden Mangel: Uranminen fördern jährlich nur zwei Drittel des weltweiten Bedarfs. Die Atomindustrie deckt den Rest aus den Vorräten, die vor 1980 während jahrzehntelanger Überproduktion in den Minen angesammelt wurden, und aus Beständen, die aus der atomaren Abrüstung stammen. Diese Reserven werden allerdings in den nächsten Jahren zur Neige gehen.

Gleichzeitig steigt der Uranhunger der Welt, da China, Indien und Russland die Kernkraft ausbauen wollen, ebenso wie die USA, wie die gerade bekannt gegebenen Pläne von US-Präsident Barack Obama zeigen. Allein China will in den nächsten zehn Jahren 20 neue Meiler ans Netz bringen. Die Internationale Atomenergieorganisation IAEO schätzt, dass der Uranbedarf von heute rund 65 000 Tonnen pro Jahr auf mindestens 93 000 Tonnen im Jahr 2030 ansteigen wird. Ob die Minenbetreiber rechtzeitig einen Gang zulegen und die Uranproduktion steigern, ist unter Experten umstritten.

Signal von den Märkten

Vieles hängt von den Marktpreisen ab. „Als vor drei Jahren der Preis spekulationsbedingt in die Höhe schoss, suchten die Unternehmen weltweit nach neuen Lagerstätten und wurden auch fündig“, sagt Schwarz-Schampera. Inzwischen ist der Uranpreis von seinem Allzeithoch im Sommer 2007 - ein Kilogramm kostete damals rund 360 US-Dollar - auf moderate 100 Dollar pro Kilo gesunken.

Proportional dazu flaute der Eifer ab, mehr Uran zu produzieren. Die neuen Lagerstätten blieben unberührt. Aber das könne sich schnell ändern, meint Schwarz-Schampera. „Die Unternehmen warten nur auf ein Preissignal des Marktes, und der Abbau kann beginnen“, sagt der Geologe.

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