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Erfindungen: Die späten Früchte der Forschung

Das historische Beispiel der Großen Depression zeigt: Nicht die Erfindungen selbst, wohl aber ihre Umsetzung in Produkte wurde durch die Krise forciert. Wissenschaft hilft nicht akut gegen Wirtschaftskrisen, warum es sich dennoch lohnt, an ihr nicht zu sparen.

Historisches Automobil der Marke DKW. Unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise erwies sich die deutsche Automobilindustrie als besonders innovativ. Quelle: dpa
Historisches Automobil der Marke DKW. Unter dem Druck der Weltwirtschaftskrise erwies sich die deutsche Automobilindustrie als besonders innovativ. Quelle: dpa

BOCHUM. Forschung als Allheilmittel gegen wirtschaftliche Schwächen ist ein beliebtes politisches Argument. Erst recht in Krisenzeiten, so heißt es oft, dürfte sie nicht dem Sparzwang zum Opfer fallen. Der Bundesverband der Deutschen Industrie mahnte 2009 die Stärkung der Forschungsanstrengungen ebenso an, wie der Reichsverband der deutschen Industrie das schon 1929 tat.

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In der Weltwirtschaftskrise vor 80 Jahren erfüllte sich jedoch die verbreitete Hoffnung, dass Forschung und Innovation zur Genesung entscheidend beitragen, nicht unmittelbar. Wie auf der technikhistorischen Tagung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) in Bochum aber klar wurde, hatten die wissenschaftspolitischen Initiativen der Forschungsinstitutionen und die Innovationsstrategien der Unternehmen langfristige Folgen.

Der Technikhistoriker Reinhold Bauer von der Universität der Bundeswehr in Hamburg belegte das zumindest für die deutsche Automobilindustrie, ohne deren Krisenreaktionen in den frühen dreißiger Jahren der Aufstieg nach dem Krieg zu einer der führenden Exportindustrien undenkbar sei.

In den zwanziger Jahren war Deutschland erst sehr schwach motorisiert (1929: ein Wagen auf 111 Einwohner) im Vergleich zu den USA (5), aber auch Frankreich (43) und Großbritannien (38).

Innovationen der deutschen Autohersteller

Nach der Krise aber hatte sich das Bild gewandelt. 1929 bis 1933 war der deutsche Markt zwar um mehr als die Hälfte eingebrochen, stieg aber bis 1939 rasant auf einen Fahrzeugbestand von 1,4 Millionen an (1929: 500 000). Und die deutschen Hersteller standen vergleichsweise viel besser da. Mit technisch innovativen Kleinwagen wie dem vorderradgetriebenen DKW F1 und seinem Nachfolgemodell F4 hatten sie die amerikanischen Hersteller vom deutschen Markt vertrieben. „Der neue Typus des europäischen Kleinwagens entstand“, sagt Bauer. In den dreißiger Jahren prägte sich der europäische Fahrzeugstil gegen den amerikanischen aus. Die amerikanischen Massenhersteller verloren damals ihre technologische Führung, da die fehlende Hubraumbesteuerung und das billigere Benzin für den dominanten Heimatmarkt keinen Innovationsdruck erzeugten.

Bis heute wirksame Innovationen wie der Vorderradantrieb dank homokinetischer Gelenke waren zum großen Teil schon vor der Krise bekannt. Die deutschen und europäischen Konstrukteure realisierten sie aber erst unter dem Druck der Ereignisse. Nicht die Erfindungen selbst, wohl aber ihre Umsetzung in Produkte wurde also durch die Krise forciert.

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