Geisteswissenschaften

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Geisteswissenschaften: Keine Dienerin der Wirtschaft ...

... ist die Philosophie auf den ersten Blick. Doch jenseits der "Unternehmensphilosophie" kommen sich beide tatsächlich näher. Schließlich waren auch große Okönomen wie Adam Smith oder John M. Keynes der Philosophie zugetan.

von Ferdinand Knauss

DÜSSELDORF. Dienerin der Theologie, "ancilla theologiae", sollte nach dem Wunsch des mittelalterlichen Kirchenlehrers Petrus Damianus die Philosophie sein. Heute kann man fast den Eindruck gewinnen, sie sei zur "ancilla oekonomiae", zur Dienerin der Wirtschaft, geworden.

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Mit dem Wort "Philosophie" schmücken sich Unternehmen genauso gern wie PR-Agenturen und Fußballmannschaften, die eine ebensolche entwickelt zu haben behaupten. Ihre "Unternehmensphilosophie" - 892 000 Treffer bei der Internet-Suche mit Google - ist allerdings meist eine wenig tiefgründige Ansammlung von Verhaltensrichtlinien für die Mitarbeiter, das Postulat einer so genannten Unternehmenskultur. Was auf Websites und in Imagebroschüren als Unternehmensphilosophie präsentiert wird, ist meist in seiner Banalität kaum zu übertreffen: Kundenorientierung, Respekt, Verantwortung, Integrität, Innovation und andere platte Selbstverständlichkeiten.

Mit Metaphysik, Logik, Erkenntnistheorie oder Ethik, den Disziplinen der echten Philosophie, hat das nichts zu tun. "Durch eine solche Inflation kommt dann leicht auch die Sache der Philosophie in den Ruf des Geschwätzes oder der unseriösen Phantasterei", sagt Thomas Buchheim, Philosophie-Professor in München und Mitgründer des Forums "Philosophie und Wirtschaft" an der Universität Mainz.

PR-Strategen versuchen offensichtlich, mit einer "Unternehmensphilosophie" intellektuellen Tiefgang zu beweisen. Aus einem ganz banalen Grund: "Die Öffentlichkeit erwartet, dass Manager mehr als den Shareholder-Value im Sinn haben", sagt Rainer Hegselmann, Professor an der Universität Bayreuth. Kaum ein Wort aber klingt weniger nach Gier und verantwortungslosen Geschäftmethoden als "Philosophie", ein Wort, bei dem man eher an den bedürfnislosen Diogenes in der Tonne denkt.

Bei Hegselmann können Studenten seit 2000 "Philosophy & Economics" studieren. Aber mit der Feigenblatt-Funktion der "Unternehmensphilosophie" hat das nichts zu tun. "Wir haben vor allem normative Grundlagenfragen im Sinn." Die Studenten befassen sich mit Sozialphilosophie und Ethik und Fragen der Entscheidungs- und Spieltheorie. In einem "Verzahnungsbereich" von Ökonomie und Philosophie geben Hegselmann und seine Kollegen Seminare beispielsweise über die "Grundlagen eines gerechten Steuersystems" oder zu "ethischen Problemen multinationaler Unternehmen".

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