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Konfliktforschung: Erleben wir einen globalen Aufruhr?

Erleben wir eine internationale Proteswelle? Ja, sagt der französische Autor Stéphane Hessel, der in seinen 93 Lebensjahren viel erlebt hat. Doch deutsche Geisteswissenschaftler sind skeptisch.

von Christoph Driessen (dpa)
Protest gegen "Stuttgart 21". Soziologen warnen davor, aktuelle Ereignisse historisch überzubewerten. Quelle: dpa
Protest gegen "Stuttgart 21". Soziologen warnen davor, aktuelle Ereignisse historisch überzubewerten. Quelle: dpa

BERLIN. "Empört euch!" fordert der ehemalige französische Widerstandskämpfer und Autor Stéphane Hessel. Er sieht viele Gesellschaften in Aufruhr, und die Welle der Unruhe kommt für ihn "in einem richtigen Moment der Geschichte".

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Doch viele Wissenschaftler sehen das anders. "Ich habe den ganzen Tag mit jungen Leuten zwischen 20 und 30 zu tun", erzählt die Professorin Jessica C.E. Gienow-Hecht. "Und ich muss feststellen: Jede Form von Revolution, von öffentlicher Empörung ist ihnen fern."

Die Kölner Spezialistin für Konfliktforschung hält das Empörungspotenzial der westlichen Welt für nicht besonders hoch.

"Hessel will die jungen Menschen aus ihrer Lethargie reißen, und ich kann das gut verstehen. Aber ich sehe keine breite Empörung von Leuten, die jetzt auf die Straße gehen. Die großen Brände sind zu fern, und die Themen vor der eigenen Haustür sind nicht brennend genug." Nach ihren Erfahrungen ist die Jugend ganz auf Konsens und Dialog ausgerichtet.

Auch Hessels These vom "richtigen Moment der Geschichte" stößt auf Widerspruch. "Einer solchen Denkweise liegt eine ganz bestimmte Geschichtsauffassung zugrunde", sagt der Bochumer Historiker Constantin Goschler. Es sei die Vorstellung, dass die Geschichte irgendwann "reif" für etwas sei. "Wenn man so denkt, kann man sich natürlich hinstellen und sagen: "Wir kämpfen nicht nur gegen den Stuttgarter Durchgangsbahnhof, wir sind Teil einer weltumspannenden Rebellion."

Der Berliner Soziologe Dieter Rucht, spezialisiert auf "politische Mobilisierung in Europa", glaubt ebenfalls nicht an die große Protestbewegung. Die Ursachen des Unmuts seien jeweils unterschiedlich - und die Ziele der Protestierenden ebenso.

  • 07.02.2011, 13:19 UhrAnonymer Benutzer: A. Prenden

    Schöner Artikel, leider zum Teil wahr, aber die Ursachen sind meiner Meinung nach andere. Wir leben in einer Spaßgesellschaft und Scheindiktatur, was von vielen nicht erkannt wird. Das Staatsfernsehen ist daran nicht unbeteiligt und die Vielzahl der brandherde wird unweigerlich zu einem Flächenbrand entwickeln. Die Deutschen brauchen lange, aber wenn es brennt dann richtig. Jeder bürger kann etwas mit den begriffen Staatsschulden, Subventionen für multinationale Konzerne, welche hier nicht mal Steuern zahlen, bankenrettung, Alternativlos, sehr schöner begriff, kann auch für den Umbruch stehen welcher bevor steht, Krieg deutscher Soldaten im Ausland, leider von den Grünen alimentiert, Laufzeitenverlängerung, EU-Diktatur, 20% Arbeitslose (alle welche keinen Job haben und Transferleistungen beziehen), Politikverdrossenheit, explodierende Gesundheitskosten ohne das es weniger Kranke gibt, warum wohl? und so weiter und so weiter....

    Das etwas passieren wird steht fest und das weiß auch die Politik und betreibt entsprechende Gegenmaßnahmen.

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