Geisteswissenschaften

_

Sipri : Deutscher Ökonom leitet renommiertes Friedensinstitut

DIW-Entwicklungsökonom Tilman Brück soll ab Januar das schwedische Friedenforschungsinstitut Sipri leiten. Er wird der zweite Deutsche auf dem Posten sein. Statt alten Grabenkämpfen will er sich nur der Forschung widmen.

Freude auf den neuen Posten: Der neue Sipri-Chef Tilman Brück. Quelle: dpa
Freude auf den neuen Posten: Der neue Sipri-Chef Tilman Brück. Quelle: dpa

Stockholm/KopenhagenMit gutem Gespür für griffige Formulierungen tritt der Berliner Tilman Brück zum Jahreswechsel in Stockholm das Chefamt im Friedensforschungsinstitut Sipri an: „Frieden ist für mich auch eine gute Geschäftsidee.“ Der 42 Jahre alte Professor für Entwicklungsökonomie wechselt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) zum international renommierten schwedischen Institut. Das „Stockholm International Peace Research Institute“ ermittelt unter anderem penibel den weltweiten Waffenhandel sowie staatliche Rüstungsausgaben und veröffentlicht die Ergebnisse im Sipri-Jahrbuch.

Anzeige

Brück wird zweieinhalb Jahrzehnte nach dem Ex-Staatssekretär im Berliner Verteidigungsministerium und Ex-Chefredakteur des „Tagesspiegel“, Walter Stützle (71), zweiter deutscher Sipri-Direktor. Zu Stützles Zeiten ausgefochtene Richtungskämpfe über „linke“ oder „rechtssozialdemokratische“ Positionen in der Friedensforschung spielen für den neuen Mann in Stockholm keine Rolle: „Meine Forschungsarbeit ist eher empirisch als ideologisch orientiert.“

Galerie der Geehrten Die Nobelpreisträger 2012

  • Galerie der Geehrten: Die Nobelpreisträger 2012
  • Galerie der Geehrten: Die Nobelpreisträger 2012
  • Galerie der Geehrten: Die Nobelpreisträger 2012
  • Galerie der Geehrten: Die Nobelpreisträger 2012

Zu den von Brück vorzugsweise untersuchten Fragen gehören etwa die Kosten für die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan oder die für staatliche Anti-Terror-Aktivitäten. Wobei eben nicht nur die Kosten für Waffen und Personal, sondern in komplexer Weise direkte und indirekte Auswirkungen auf die Staatsfinanzen, auf die Wirtschaftsentwicklung sowie auf das subjektive Befinden der Menschen einzubeziehen sind. „Was die wirtschaftlichen Chancen von Frieden sind, halte ich für eine spannende Frage,“ sagt Brück.

Am Berliner DIW sollte die „Abteilung für Entwicklung und Sicherheit“ für solche Problemstellungen auf Betreiben des Kuratoriumschefs Bert Rürup geschlossen werden. Das führte zur Bewerbung nach Stockholm. Hier will der neue Mann die in den Medien am stärksten wahrgenommenen Sipri-Veröffentlichungen mit konkreten Daten zu Kriegen, Waffenhandel und Militärausgaben unverändert weiterführen.

Nobelpreis

„An neuen Themen-Schwerpunkten für Sipri könnte ich mir unter anderem die Fragilität von diversen Staaten wie dem gerade jetzt aktuellen Mali vorstellen“, sagt Brück über seine Pläne. Friedenforschung sei für ihn „keine Disziplin, sondern ein Thema“: „Genau wie das Klima ein Thema ist.“

An seinem 42. Geburtstag wurde der Europäischen Union (EU) aus Oslo der Friedensnobelpreis zuerkannt. Zweieinhalb Monate später meint Brück dazu: „Das ist wohlverdient, besonders was die deutsch-französische Einigung und die Osterweiterung betrifft.“ Leider habe es die EU aber versäumt, „ein überzeugendes Konzept zu entwickeln, wie Frieden und Stabilität außerhalb der EU geschaffen werden können. „Die EU lernt also nicht aus ihren Erfolgen.“

 

  • Die aktuellen Top-Themen
Ebola-Epidemie: Im Dorf von „Patient Null“

Im Dorf von „Patient Null“

Im Dorf Meliandou im westafrikanischen Guinea hat die tödliche Ebola-Epidemie ihren Ausgang genommen. Die Bewohner haben nicht nur viele Angehörige verloren, sondern auch jede Hoffnung.

Erste Ebola-Tote in Mali: New York und New Jersey verschärfen Quarantäne-Regeln

New York und New Jersey verschärfen Quarantäne-Regeln

Ein zwei Jahre altes Mädchen ist in Mali an der Ebola-Erkrankung gestorben. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet eine Ausbreitung des Virus. Zwei US-Bundesstaaten verschärfen ihre Sichervorkehrungen.

Mit dem Jobturbo durchsuchen Sie mehr als 215.000 Stellenanzeigen  in 36 deutschen Stellenbörsen.
Diese Jobs suchen die Handelsblatt-Leser:
1. Ingenieur   6. Bauingenieur
2. Geschäftsführer   7. Marketing
3. Financial Analyst   8. Jurist
4. Controller   9. Volkswirt
5. Steuerberater   10. Designer