
DÜSSELDORF. George Bernard Shaw wusste, wie stark unser Bild vom anderen durch dessen Sprache geprägt wird: „Es ist einem Engländer unmöglich, den Mund aufzumachen, ohne sich den Hass oder die Verachtung irgendeines anderen Engländers zuzuziehen“, schrieb er 1916 im Vorwort seines Theaterstücks „Pygmalion“, das später als Musical „My Fair Lady“ bekannt (und verfilmt) wurde.
Was für England gilt, trifft auch auf Deutschland zu, wie die Häme gegen Günther Öttingers schwäbelndes Englisch kürzlich erst wieder bewiesen hat. Die herzliche Abneigung zwischen den Sprechern verschiedener Dialekte in Deutschland ist aber nicht nur ein Thema fürs Kabarett, sondern hat ganz handfeste ökonomische Effekte.
Auch im Zeitalter der Globalisierung machen Schwaben lieber mit anderen Schwaben Geschäfte als mit Sachsen, Rheinländern oder Ostfriesen. Diesen Zusammenhang zwischen regionalen Mundarten und dem Wirtschaftsgeschehen belegt eine Studie, die der Marburger Sprachwissenschaftler Alfred Lameli gemeinsam mit Ökonomen vom Max-Planck-Institut für Ökonomik, vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung und vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit vorgelegt hat („Dialects, Cultural Identity, and Economic Exchange“, IZA Discussion Paper 4743) .
Kulturelle Gemeinsamkeiten stärken Vertrauen bei Geschäften
Kürzlich hatten schon die Ökonomen Luigi Guiso, Paola Sapienza und Luigi Zingales im „Quarterly Journal of Economics“ nachgewiesen, dass sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten das gegenseitige Vertrauen bei internationalen Wirtschaftstransaktionen erhöhen. Dass dies aber auch innerhalb einer Sprachgemeinschaft zutrifft, war bislang unbekannt. Unterschiede zwischen Dialekten bewirken offenbar ein Gefühl der Fremdheit bei vielen Menschen, das ihr ökonomisches Verhalten beeinflussen kann.
Gemessen haben die Forscher in der aktuellen Studie allerdings nicht den Austausch von Waren oder Dienstleistungen, sondern die privaten Umzüge zwischen den Gemeinden in den Jahren 2000 bis 2006. Sie gehen aber davon aus, dass Umzüge meist Arbeitsmarktentscheidungen widerspiegeln und damit ein Indiz für wirtschaftliche Kontakte sind.
Diese Daten setzten sie in Beziehung zum „Sprachatlas des Deutschen Reiches“, einem einmaligen Schatz der Sprachwissenschaft: Georg Wenker hatte zwischen 1879 und 1888 an mehr als 45 000 Schulen den Schülern 40 hochdeutsche Sätze vorgelegt, die sie in ihren Dialekt übersetzten. Daraus entstanden 1600 Karten, die die regionalen Unterschiede deutscher Mundarten exakt abbilden.
Der in Waldshut gesprochene alemannische Dialekt ist selbstverständlich näher am Schwäbischen, das in Rottweil gesprochen wird, schließlich ist auch Schwäbisch ein alemannischer Dialekt. in Nordbaden wird jedoch kein Alemannisch mehr gesprochen, sondern Südfränkisch, also quasi eine vollkommen andere Mundart.
Die Tendenz, eher nach Nordbaden umzuziehen, liegt wohl eher an der politischen Zugehörigheit zu baden bzw. an der Wahrnehmung des Schwäbischen als vermeintlich fremden Dialekt.
Und dafür ist Geld ausgegeben worden?
Wie dumm ist das denn.
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